Riley, Lucinda: Helenas Geheimnis

img_0228Fräulein Bücherwald is back (again)! Und packt ihr Köfferlein aus und findet darin: Helenas Geheimnis, das brandneue (naja, fast brandneue) Buch von Lucinda Riley (brandneu, als es bei mir eingezogen ist). Tatsächlich habe ich noch nie in meinem Leben ein Buch von Lucinda Riley gelesen, sondern frühere Romane immer als Hörbuch gehört – hat sich irgendwie so ergeben, da ich auf solche eeewig langen Hörbücher, die an der 24-Stunden-Marke kratzen, total stehe.

Dieses Buch habe ich nun aber gelesen und ich muss sagen – es war okay. Nur okay. Leider. Ein großes Plus ist auf jeden Fall die Figurenkonstellation: Helena, wunderschöne Mutter dreier Kinder und gesegnet mit so ziemlich dem perfektesten Ehemann, den man haben kann, kehrt 2006 nach Zypern zurück, in ein Haus namens Pandora, das sie von ihrem Patenonkel geerbt hat und mit dem sie wunderbare wie schmerzhafte Erinnerungen an ihre Jugend verbindet. Sie reist allerdings nicht alleine dorthin, sondern mit ihrer Familie sowie einer befreundeten Familie und ihrer besten Freundin. Außerdem erscheint auch die Teenager-Tochter ihres Ehemannes aus einer früheren Beziehung als Hausgast. Viel Potenzial also, um tragische Geschichten zu erfahren und Geheimnisse aufzudecken – die Zutaten für den klassischen Lucinda Riley-Roman sind aufgetischt. Über allem schwebt eine Geschichte aus dem Jahr 2016, also 10 Jahre später, in der Helenas Sohn Alex nach Pandora zurückkehrt und in seinem alten Tagebuch liest, das er 2006 geschrieben hat.

Der ein oder andere mag nun schon stutzen: 2006 und 2016? Normalerweise überspannen die Familienepen von Riley doch ganze Jahrhunderte! Tatsächlich ist dies kein klassischer Riley-Roman in diesem Sinne. Er umfasst lediglich einige Jahrzehnte.

Während also die ganze Gesellschaft im Jahre 2006 in Pandora weilt, erfährt man schnell, dass lang gehütete Geheimnisse unter der Oberfläche schwelen und drohen, auszubrechen. Und die sind auch interessant, wirklich! Allerdings vergeht sich die Autorin so ewig lange in Andeutungen, dass ich mir am Ende schon dachte, dass mir die Auflösung nun eigentlich auch egal sein könne… Nach dem gefühlt hundertsten „Ja, es könnte alles so schön sein, aber LEIDER IST DA NOCH DIESES GEHEIMNIS“ oder „Helena dachte an ihre wunderbare Familie, DIE VON DIESEM GEHEIMNIS BELASTET WAR“, ging mir echt langsam die Puste aus. Zum Glück erfährt man DAS GEHEIMNIS irgendwann und fragt sich, was die ganze Aufregung darum denn sollte. Eigentlich ist das ja die große Stärke der Autorin: Einen wirklich zu überraschen. Fäden zusammenzuführen, die man vorher noch nicht mal gesehen hat. Und am Ende alles logisch aufzulösen. Das ist ihr bei dieser Story leider nicht sehr gut gelungen. Sie löst zwar alles einigermaßen logisch auf, aber dieser echte Aha-Moment, der ihren Büchern stets innewohnt, das Begreifen des ganzen Ausmaßes eines Geheimnisses, das bleibt aus. Einfach deshalb, weil dieses Geheimnis kein großes Ausmaß hat.

Leider konnte ich mich auch mit ihrem Sohn Alex als zweiter Hauptfigur nicht wirklich anfreunden, was mir das Lesevergnügen noch weiter erschwert hat. Alex wird als unglaublich klug beschrieben, als philosophisch gebildet, sagt später sogar von sich selbst, dass er wie kaum ein zweiter Mensch auf der Welt philosophisches Wissen besäße. Leider zeigt er dieses nicht. Stattdessen wirkt er wie ein gewöhnlicher Teenager, der ein außerordentlich pubertäres Verhalten an den Tag legt, während er sich in seinem Tagebuch mehr als geschwollen ausdrückt, um seine Kleinkinder-Probleme zu verarbeiten.

Und zu guter Letzt: Der letzte Kritikpunkt. Die Übersetzung, mit der ich wirklich gehadert habe. Ich möchte betonen: Ich kenne das englische Original NICHT. Aber dass Alexis, Helenas erste große Liebe und ein zypriotischer Charmeur, konsequent von Alex als „Mr. Hansdampf“ bezeichnet wird, hat meinen Lesefluss erheblich gestört. Wer benutzt denn bitte dieses Wort? Zudem hatte ich auch das Gefühl, dass Alex großspuriges, geschwollenes Gebrabbel ein Problem der Übersetzung sein könnte, die keinen Zugang zu den Gedanken eines gebildeten Dreizehnjährigen gefunden hat. Noch nie sind mir in Rileys früheren Werken so grobe stilistische Schwächen und schlicht falsche Ausdrücke begegnet wie z.B. die Vermischung zweier Redewendungen. Mehr als schade!

So bleibt der Eindruck einer guten Geschichte in einem wunderschönen Setting mit erheblichen Mängeln in der Umsetzung. Und ich muss nun dringend die beiden Bücher von Riley nachholen, die ich während meiner Blogpause verpasst habe: „Die sieben Schwestern“ und „Die Sturmschwester“!

3 von 5

Titel: Helenas Geheimnis
Originaltitel: Helena’s Secret
Autorin: Lucinda Riley
ISBN-13: 978-3442484058
Seitenzahl (Taschenbuch): 608 Seiten
Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum der Auflage: 29. Februar 2016

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