Eriksson, Caroline: Die Vermissten

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Puh. Ich habe soeben den Thriller „Die Vermissten“ von Caroline Eriksson zugeklappt und bin noch ganz gefangen von der Atmosphäre dieser Geschichte.

Wie ja einige von euch, die dieses Blog schon länger verfolgen, vielleicht gemerkt haben, bin ich eigentlich kein Fan von skandinavischen Krimis und Thrillern, zumindest findet man hier eigentlich keinen davon. Immer mal wieder habe ich zwar den Versuch unternommen, mich an dieses Genre heranzuwagen, aber habe es dann immer irgendwann abgebrochen, da mir die Bücher dann echt zu unheimlich oder eklig geworden ist. Ich bin da eben sehr zart besaitet 🙂

Nachdem sich die Geschichte von Caroline Erikssons „Die Vermissten“ aber wirklich sehr spannend anhörte, habe ich mir dieses Buch doch sehr kurzentschlossen gekauft. Ja, und es kam, wie es kommen musste. Heute Nachmittag wollte ich „nur mal kurz die Beine hochlegen“, um mich dann wieder „mit Vollgas an meine Hausarbeit zu setzen“, die ich im Moment schreiben muss. Stattdessen habe ich dieses Buch gelesen. In einem Rutsch, Pipipause mal ausgeklammert.

Und ein Urteil fällt mir noch recht schwer. Das Buch beginnt ganz anders, als es beginnt. Es beginnt als Thriller, als echter Psychothriller noch dazu und endet als Drama.

Die Hauptfigur in dem Buch ist Greta. Sie macht Urlaub mit ihrem Mann Alex und ihrer Tochter Smilla. Als die drei eines Tages über einen See zu einer kleinen Insel rudern, nimmt das Unheil seinen Lauf. Denn Greta wartet im Boot auf die beiden, während sie die Insel erkunden. Doch die beiden kommen nie zurück, sie scheinen auf dieser Insel einfach spurlos verschwunden zu sein.

Im Laufe der Zeit verstrickt sich dann auch Greta selbst immer weiter in Geheimnisse und Widersprüche, ihre Vergangenheit wird nach und nach geschildert und man beginnt, ihrer eigenen Geschichte zu misstrauen.

Was mich am Anfang ein wenig gestört hat, waren die vielen Hinweise und Andeutungen, die es gab. Ja, auch das ist etwas, das ich häufiger bei Büchern kritisiere, zuletzt übrigens bei Lucinda Riley „Helenas Geheimnis“, dessen Rezension ihr am Freitag zu lesen bekommt. Fast 120 Seiten werden in diesem Thriller nur Fragen gestellt. Da war meine Schmerzgrenze schon fast erreicht, alles hing irgendwie in der Luft, man wusste gar nichts Konkretes mehr. Ich war wirklich mehr als gespannt auf die Lösung, zumal das Buch nur knapp 270 Seiten hat, also nicht soo viel Raum für eine komplexe Handlung bietet.

Doch mit der Lösung lässt Caroline Eriksson sich Zeit. Immer wieder wirft sie dem Leser Häppchen hin, die er gierig mitnimmt und davon zehrt, bis er das nächste Häppchen an Information bekommt. Und dann ist da auf einmal ein sehr klares Bild von einer Lösung, die durch das komplette Durchdrehen einer der beteiligten Figuren noch fast vereitelt wird. Das ist der Punkt, an dem diese Geschichte das Genre wechselt und zu einem Drama wird, in dessen Mittelpunkt es um Treue, Liebe und Verrat geht.

Eingefleischte Thriller-Fans werden das vielleicht gar nicht mal so gut finden, aber ich fand es einfach großartig. Die Lösung ist trotzdem ziemlich plausibel (klar, Zufälle muss es geben) und sorgt dafür, dass man mit einem ganz anderen Gefühl aus der Geschichte rausgeht als man reingegangen ist: Am Anfang mit freudiger Erwartung, am Ende sehr nachdenklich und melancholisch.

Hoffentlich nicht das letzte Buch von Caroline Eriksson!

 

5 von 5

 

Titel: Die Vermissten
Autorin: Caroline Eriksson
ISBN: 978-3328100386
Seitenzahl: 272 Seiten
Verlag: Penguin
Erscheinungsdatum der Auflage: 8. August 2016

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