Tatort: Freddy tanzt (Köln)

Tatort-KölnIm Moment ist es irgendwie echt schwierig mit den Tatorten. Entweder man bewegt sich im Bereich der gähnenden Langeweile oder die Darstellung ist viel zu übertrieben. Nachdem ich letzte Woche einmal mit dem Tatort- Gucken ausgesetzt habe, habe ich mich heute richtig auf den Kölner Tatort gefreut. Nach dem etwas schwächeren letzten Fall („Wahre Liebe„) hoffte ich auf einen gewohnt guten Plot mit den beiden sympathischen Kommissaren Max Ballauf und Freddy Schenk.

Nun muss ich sagen: Die Kommissare waren nicht schlecht. Und der Plot eigentlich auch nicht. Und trotzdem habe ich in schöner Regelmäßigkeit alle 3 Minuten auf die Uhr geschaut. Denn bis 21 Uhr ist fast gar nichts passiert. Es gab einen Toten, einen Obdachlosen (Schrägstrich Klavierspieler), der zuvor aus einer Bar rausgeflogen war und dort einen Streit mit drei Bänkern begonnen hat. Okay, nur das macht noch keinen Tatort, denn nun braucht man noch Verdächtige. Die gab es zunächst auch: Mutter und Freundin des Opfers reagierten beide irgendwie „komisch“, die Mutter wusste nicht, dass ihr Sohn auf der Straße lebt und die Freundin hatte schon vor Wochen den Rucksack des Toten beim Fundbüro abgeholt, aber sich scheinbar nicht darüber gewundert, dass der Freund selbst nicht wieder aufgetaucht ist.

Blieben also nur diese Bänker, übrigens richtig eklige Typen, denen man so einen Mord aus Langeweile gerne anhängen würde. Die Kommissare kamen auch recht schnell auf die drei, konnten aber nichts beweisen. Während sich dann Ballaufs Ermittlungen auf ein Haus konzentrierten, in dem der Tote nach einer Schlägerei Zuflucht gesucht haben soll, hat Schenk anderes im Kopf: Er macht sich an eine der Hausbewohnerinnen heran. Angeblich eine Kunst- Professorin, doch dem gewieften Zuschauer wird schnell klar, dass die Dame noch einem ganz anderen Business nachgeht.

In dem Haus ist alles seltsam, alle haben etwas zu verbergen und nach und nach werden die einzelnen Geschichten aufgedeckt. Leider ohne irgendeinen Aha- Effekt. Der Tod des Mannes war letztendlich eine Verkettung tragischer Umstände, beinahe ein Unfall. Eine Anwohnerin hatte den blutenden, nach Hilfe suchenden Mann, den die Bänker zuvor vermöbelt hatten, für ihren Exmann gehalten, ihm Pfefferspray in die Augen gesprüht und so verursacht, dass er die Treppe hinuntergefallen ist. Die Verantwortlichen bekommen eine Bewährungsstrafe. Und Freddy tanzt Tango.

Man versteht, was dieser Tatort sein sollte: Ein Stück, das dem letzten Wiesbadener Tatort nachempfunden ist, ein Kunststück, in dem es um menschliche Abgründe und Tragödien geht. Leider hat es mich aber nicht gepackt, die Story hat mich gänzlich unberührt gelassen. Der Grund dafür ist schwierig zu benennen: Ich denke es war die fehlende Empathie für die Figuren, die sich bei mir einfach nicht aufbauen konnte. Man konnte Freddys Faszination für die Frau nicht nachempfinden – was ihn eher zum Tanzbären dieses Falls degradiert als zum heißblütigen Latino- Lover werden lässt.

Am Ende ein Orchester, der Vorhang fällt, der Kölner Tatort ist vorbei und es bleibt der Gedanke: Das können die aber besser.

Titel: Freddy tanzt
Ort: Köln
Tatort Nr.: 933
Erstausstrahlung: 01.04.2015
Ermittler: Ballauf und Schenk
Hauptdarsteller: Klaus J. Behrendt – Dietmar Bär

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