Tatort: Die Sonne stirbt wie ein Tier (Ludwigshafen)

Tatort-LudwigshafenNach dem wirklich schlechten letzten Tatort aus Ludwigshafen („Blackout“), in dem Lena Odenthal mit ihrer Midlifecrisis bzw. einem Burnout zu kämpfen hatte, befindet sie sich nun in einer Reha auf dem Land. Doch lange währt der Frieden nicht: Auf einem Reiterhof wird ein toter Pferdepfleger aufgefunden, ebenso wie ein verstümmeltes Pferd. Ein „Pferderipper“? Alles deutet auf einen Serientäter hin, denn in der letzten Zeit wurden mehrmals übel zugerichtete Tiere gefunden – im Umkreis von 20 Kilometern. Aber wieso dann der Mord an dem Pfleger? Fragen über Fragen, die Lena Odenthal, Mario Kopper und ihre neue Kollegin, die Fallanalytikerin Johanna Stern, zu klären haben.

Dabei ist dem Zuschauer bereits sehr schnell klar, wer für das Abschlachten der Tiere verantwortlich ist: Ein junger Mann, der auch noch zum Stalker einer jungen Frau wird und sich ihr immer weiter annähert. Er ist psychisch krank und lebt seine Ängste und sexuellen Wünsche im Töten der Tiere aus.

Nach einem kleinen Streifzug durch die Vergangenheit der Reiterhofbesitzerin kommen Odenthal, Kopper und Stern dann schließlich auch darauf, dass der Pferdepfleger diese erpresst hat (mit Pornofilmchen, was auch sonst?) und sie ihn deshalb getötet hat und versucht, den Mord ebenfalls dem „Ripper“ in die Schuhe zu schieben, der in der gleichen Nacht ihr Pferd angegriffen hat.

Na gut, der Fall basiert auf vielen Zufällen. Aber die Geschichte an sich ist schon glaubwürdig. Erst neulich habe ich in der Zeitung mal etwas über solche Fälle gelesen, in denen Menschen sich sexuell an Pferden vergehen. Und zwischendurch hatte man wirklich Mitleid mit dem Täter – übrigens sehr gut dargestellt von Ben Münchow!

Aber was mich mittlerweile wirklich nervt am Ludwigshafener Tatort ist dieses Selbstmitleid, das über allem schwebt. Klar geht es Lena noch nicht wirklich wieder gut und sie ist gerade dabei, ihr Leben zu ordnen, aber irgendwie will ich das alles nicht wissen. Und ich will auch nicht, dass sie gegenüber einer Mordverdächtigen davon redet, wie schwer es für sie ist, Menschen zu vertrauen. Seit Jahren ist sie nun schon ein psychisches Wrack und Johanna Stern läuft ihr nun langsam aber sicher den Rang ab, da sie eben diese Spritzigkeit und Flexibilität in den Gedanken noch besitzt, die Lena Odenthal fremd geworden ist. Immer wieder rastet sie (wie auch schon in der letzten Folge) gegenüber Zeugen aus, nimmt alles viel zu persönlich und man fragt sich, warum sie am Ende nicht die Reha gleich wieder von vorne beginnt.

Natürlich ist das etwas ambivalent, denn gerade letzte Woche habe ich im Dortmunder Tatort noch bejubelt, wie sehr die Autoren einen hinter die Fassade der Ermittler schauen lassen, aber Lena Odenthal fehlt seit einigen Fällen einfach die Souveränität, ihren Job noch anständig zu machen. Alle Ermittlungsergebnisse hat mal wieder Johanna Stern geliefert, die dafür aber nur genervte Blicke erntet.

Vielleicht ist die Luft raus aus dem Ludwigshafener Tatort. Die mittelmäßig spannende, aber übertrieben eklige Story mit Horrorbildern wie einem ausgebluteten Pferd in der Pathologie punktete diesmal durch einen überzeugend dargestellten Täter – nicht durch überzeugend dargestellte Kommissare. Verkehrte Welt in Ludwigshafen.

Titel: Die Sonne stirbt wie ein Tier Ort: Ludwigshafen Tatort Nr.: 932 Erstausstrahlung: 18.01.2014 Ermittler: Odenthal & Kopper Hauptdarsteller: Ulrike Folkerts – Andreas Hoppe

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