Tatort: Hydra (Dortmund)

Tatort-DortmundRechte Gewalt in Dortmund – ein Thema, das schon lange in den bundesweiten Medien angekommen ist. Im heutigen Dortmunder Fall ermitteln die vier Kommissare in der brauen Szene, denn der Anführer einer rechtsradikalen Gruppe wurde erschossen.

Eine pikante Aufgabe vor allem für die türkischstämmige Kommissarin Nora Dalay. Zunächst scheint in den Ermittlungen aber alles ganz gut zu laufen. Faber, Bönisch, Dalay und Kossik ermitteln nach und nach wichtige Details – nicht zuletzt wegen Fabers unkonventionellen Methoden, da Vertrauen von Zeugen zu gewinnen. Doch nicht nur die Szene, auch der Fall wird immer radikaler. Am Anfang beschränkten sich die Ermittlungen auf interne Machtstrukturen in der Nazigruppe bzw. auf einen zurückliegenden Überfall auf ein jüdisches Ehepaar, bei dem der Mann getötet wurde und die Frau ihr Baby verlor.

Nun wird allerdings klar, dass der Fall viel viel komplexer ist, als bisher angenommen: Denn es gibt ein Leck im Präsidium, jemand warnt die rechtsradikale Gruppe systematisch und das auch nicht gerade seit gestern. Als dann auch noch Nora Dalay auf brutalste Weise angegriffen wird und man ihr ein Hakenkreuz auf den Unterleib sprüht und Kossik erfährt, dass sein Bruder nicht nur in dieser Gruppe integriert ist, sondern auch bei dem Überfall dabei war, scheint alles zu eskalieren. Es wird eine Verbindung des Mordfalls zum Staatsanwalt klar, der versucht hat, das Mordopfer als V-Mann für den Verfassungsschutz anzuwerben und die Kommissare erfahren, dass es eine neue Zeugin gibt, die wegen des brutalen Überfalls gegen die Neonazis aussagen will. All diese Informationen wurden den Kommissaren wissentlich vorenthalten, um ihre Ermittlungen in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken und den Täter nur in der rechten Szene zu suchen.

 Zu guter Letzt erfahren sie endlich, dass ihr neuer Kollege Krüger, der für Kossik ins Team kam, nachdem dieser wegen Befangenheit beurlaubt wurde, früher in der rechten Szene war und ihre „Ratte“ ist, um es in Fabers Worten auszudrücken. Faber bewahrt ihn dann auch noch vor dem Selbstmord und Nora Dalay zeigt die Neonazis wegen des Überfalls auf sie an.

Es ist nicht nur die Story, die einfach brillant inszeniert wurde, es ist auch die Dynamik im Team, die den Dortmunder Tatort im Moment zum besten Tatort Deutschlands macht.

Anders als im Münsteraner oder Weimaraner Tatort werden hier nicht die Pointen gesucht und gezielt gesetzt, sondern sie ergeben sich scheinbar einfach ganz natürlich aus den Interaktionen der Kommissare. Es ist die Kombination aus Fabers trockenem ehrlichen Humor, Dalays Impulsivität, Kossiks Verbohrtheit und Bönischs klarem Durchblick und Urteilsvermögen. Man hat nicht das Gefühl, dass hier gespielt wird, sondern man kauft diesen perfekt gezeichneten Figuren einfach jede Handlung, jedes Gefühl ab. Vor allem Aylin Tezel hat sich in ihrer schauspielerischen Leistung in der Folge selbst übertroffen. Ich denke nicht, dass ich bisher jemals bei einem Tatort Tränen in den Augen hatte – in der Szene nach dem Überfall auf sie war ich wirklich zutiefst bestürzt.

Es ist aber auch der Umgang mit Klischees. Natürlich hat man ein bestimmtes Bild von Neonazis vor Augen und das wurde hier auch bestätigt, aber es wurde auch klar gemacht, wieso so viele Leute diesen Gedanken Beachtung und Anerkennung schenken. Wieso dieses Gedankengut in letzter Zeit wieder so angesagt ist. Vor allem Kossiks Bruder wurde das sehr eindrucksvoll gezeigt.

Ein erschreckender, aufwühlender und spannend inszenierter Fall, der durch brillante Schauspieler glänzt.

Bitte mehr aus Dortmund!

Titel: Hydra
Ort: Dortmund
Tatort Nr.: 931
Erstausstrahlung: 11.01.2014
Ermittler: Faber & Bönisch & Dalay & Kossik
Hauptdarsteller: Jörg HartmannAnna Schudt Aylin Tezel Stefan Konarske

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