Bartels, Dominik: Black Taxi

33533341zHeute möchte ich euch mal einen Roman vorstellen, der von einem Thema bzw. einer Region dieser Welt handelt, über die ich ehrlich gesagt bisher noch nicht sehr viel wusste: Nordirland. Natürlich habe ich schon vom Terror der IRA, dem Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten und der damit einhergehenden politischen Spannung gehört, aber die Hintergründe kannte ich bisher nicht.

In Dominik Bartels Roman „Black Taxi“ verschlägt es den 17-jährigen Martin zu Beginn der Geschichte nach Belfast. Nach dem Tod seiner Eltern soll sein gesetzlicher Vormund entscheiden, wo Martin studieren soll und die Wahl fällt ausgerechnet auf Belfast – eine Stadt, mit der Martin ebenfalls nur die negativen Dinge verbindet, die man von Zeit zu Zeit mal in den Medien mitbekommt. Das ist für den Leser natürlich eine tolle Ausgangslage, denn gemeinsam mit Martin entdeckt man im Laufe der Handlung Belfast und erfährt vieles über diesen nun schon lange andauernden Konflikt, der weit mehr beinhaltet als eine Terrororganisation, die Angst und Schrecken verbreitet.

In Belfast angekommen, wird Martin sofort in die Aufteilung der Stadt und die „Troubles“ mit einbezogen. Im Universitätsviertel scheint die Welt zwar in Ordnung zu sein, aber blickt man über den Tellerrand, bietet sich einem ein ganz anderes Bild.

Durch Martins Freundschaft mit einem katholischen Taxifahrer erfährt er die Gewalt und den Hass, der in der Stadt herrscht, am eigenen Leib. Schließlich findet er sogar seine große Liebe. Und muss trotzdem erkennen, dass die Barrieren in Belfast viel zu hoch sind, als dass sie ein einzelner Deutscher überwinden könnte.

„Black Taxi“ vereint zwei Dinge: Zum einen eine spannende Handlung, in der der Leser gemeinsam mit dem Protagonisten auf eine Reise geschickt wird, deren Ziel die Frage nach der Menschlichkeit ist. Zum anderen entdeckt man nicht nur Belfast und eine seiner dunkelsten Zeiten, sondern wird umfangreich über den Krieg in dieser Stadt informiert. Denn ein Krieg, das ist es wirklich und Martin gerät mehr als einmal zwischen die Fronten.

Irgendwie kann man es sich gar nicht vorstellen, dass in einem westeuropäischen Land bis vor wenigen Jahren solche Zustände geherrscht haben und auch Martin stolpert manches Mal reichlich naiv in brenzlige Situationen. Aber damit ist er immer ganz beim Wissensstand des Lesers, der mit ihm gemeinsam Erkenntnisse gewinnt.

Ab und an wird in dem Roman zwar auch mal der moralische Zeigefinger gehoben und es gibt geradezu philosophische Passagen, in den Martin versucht, diesen Konflikt irgendwie in Worte zu fassen, aber insgesamt kann der Leser sich doch ein eigenes Bild von der Situation machen, auch wenn man durch Martins Perspektive natürlich dazu neigt, mit den Katholiken zu sympathisieren.

Ein wirklich spannender Roman, der einen die Geschichte geradezu atemlos verfolgen lässt und einen in eine zwar faszinierende, aber auch schreckliche Zeit der nordirischen Geschichte entführt. Mich hat es auf jeden Fall dazu gebracht, das ich mich auch weiter darüber hinaus noch mit den „Troubles“

beschäftigt habe und noch beschäftigen werde.

Die Geschichte hat mich manches Mal zu Tränen gerührt und manches Mal wirklich am Verstand der Menschheit zweifeln lassen. Das alles gepaart mit Dominik Bartels tollem Schreibstil – dieses Buch ist auf jeden Fall lesens- und empfehlenswert!

5 von 5

Titel: Black Taxi
Autor: Dominik Bartels
ISBN-13: 978-3941552074
Seitenzahl (Taschenbuch): 444 Seiten
Verlag: Blaulicht Verlag
Erscheinungsdatum der Auflage: 1. April 2011

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Ein Gedanke zu “Bartels, Dominik: Black Taxi

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