Adlon, Andreas: Tod im Netz

81lXdd2+22L._SL1500_In letzter Zeit habe ich wirklich sehr viele sehr gute Bücher gelesen. So viele gute Bücher, dass man vor lauter 5-Fräulein-Rezensionen kaum noch durchblickt. „Tod im Netz“ hat diesen „Lauf“ nun unterbrochen.

Aber ich fange von vorne an: Dieser Krimi spielt in Oldenburg!!! Ich musste also einfach zugreifen. Wann finden Krimigeschichten schon mal vor der eigenen Haustür statt?

Die Hauptperson in Andreas Adlons Roman ist Hauptkommissar Paul Schweigert, der vor einiger Zeit von Frankfurt nach Oldenburg versetzt wurde (ist das nicht genial?! Ich bin ja auch von Frankfurt nach Oldenburg gezogen!). Als eine Leiche im Rasteder Schlosspark (Rastede ist ein Nachbarort von Oldenburg) gefunden wird, übernimmt er mit seiner Kollegin Lisbeth Eicken die Ermittlungen. Die Tote ist eine junge Frau, eine unbescholtene Oldenburger Studentin und lange Zeit tappen die Ermittler im Dunkeln. Erst als noch eine Tote gefunden wird, beginnen sie langsam zu verstehen, dass sie sich hier mit dem Club der Reichen und Mächtigen angelegt haben, dem sogar der Staatsanwalt angehört…

Soweit klingt die Geschichte ja erstmal gut und sie hat auf jeden Fall einiges Spannungspotential. Der Fall an sich ist auch ganz gut ausgearbeitet und man tappt als Leser wirklich lange Zeit im Dunkeln, was den Täter angeht, auch wenn er sich selbst immer mal wieder zu Wort meldet.

Wobei wir auch schon beim ersten Kritikpunkt wären: Obwohl der Täter höchstpersönlich dem Leser immer wieder erzählt, wie clever und eiskalt er doch ist und wie gut er all das geplant hat und dass die dummen Kommissare niemals auf seine Spur kommen werden, macht er einen dämlichen Anfängerfehler nach dem anderen und überführt sich am Ende im Prinzip selbst. Fand ich jetzt nicht so gelungen. Aber okay, Paul Schweigert und Lisbeth Eicken sind selbst damit beschäftigt, so viele Fehler wie möglich zu machen, da können sie ja nebenbei nicht auch noch ermitteln.

Kommen wir zum zweiten Kritikpunkt: Dem „Lokalkolorit“. Ehrlich gesagt wirkt der ganze Krimi, als hätte Andreas Adlon für die Recherche genau einen Tag in Oldenburg verbracht. Keine Ahnung, ob er hier mal gewohnt hat, aber wenn, dann hat er es gut verborgen. Es gibt extrem wenig Schauplätze und die, die es gibt, die kennt jeder Tourist, der mal einen Tag hier war. Adlon beschreibt die Wallstraße und vier Kneipen/ Restaurants dort, den Pulverturm und das Staatstheater, hat wohl einen kleinen Bummel durchs Gerichtsviertel gemacht und war an der Uni und in einem Studentenwohnheim, das nur einen Steinwurf von der Uni entfernt liegt. Weiter geht es in der Handlung nicht. Statt also die Oldenburger Lieblingsorte oder urige kleine Geheimtipps zu beschreiben, verliert er sich in völlig unnötigen Schilderungen über die Verkehrswege, die die Kommissare zurücklegen und die sowieso jedem Oldenburger bekannt sein dürften und für Auswärtige schlicht uninteressant sind. Oder er beschreibt die genauen Angebote der Kneipe, in dem die Personen sich gerade befinden.

Über das Oldenburger „Loft“ bekommt man sogar eine detaillierte Zusammenfassung der Innenarchitektur und der Speisekarte inkl. Öffnungszeiten. Na gut. Wen’s interessiert.

Niedliche Eigenheiten der Oldenburger sucht man vergeblich, außer vielleicht das Schimpfen über Autofahrer mit Westersteder Kennzeichen. Aber eine Stelle Lokalkolorit in einem Regionalkrimi? Zu wenig.

Kommen wir nun zum größten Kritikpunkt: Vorne im Buch steht dick und fett, dass die Handlung und Personen frei erfunden sind und dass Ähnlichkeiten rein zufällig seien. Na gut. Einer der Hauptverdächtigen ist der Vorsitzende eines Oldenburger Stromversorgers. Gut, das kann erstmal auch nur eine anonyme Firma sein, so wie in jedem Krimi auch mal ein Bürgermeister vorkommt. Hier geht Adlon allerdings weiter, denn er beschreibt explizit, dass dieser Stromversorger, dessen Firmenname er allerdings geändert hat, der Namensgeber der Oldenburger Basketball- und Mehrzweckhalle ist. Damit dürfte jedem Menschen, der sich auch nur einen Hauch für Oldenburg bzw. das sportliche Oldenburg interessiert, klar sein, welche Firma hier gemeint ist. Und dass diese Firma (ebenso wie in dem Roman!) schon mal in Zusammenhang mit dubiosen Spendengeldern in der Presse stand.

Hier ist der Vorsitzende ein lüsterndes Arschloch, das nur auf Spendengalas geht, wenn ihm für die Aftershowparty junge Mädchen mit wenig Selbstwertgefühl versprochen werden. Auf Grund des eindeutigen Verweises auf die real existierende Firma finde ich das grenzwertig, jemanden derart zu diffamieren.

Insgesamt fand ich die Geschichte nicht schlecht. Stellenweise fand ich sie sogar spannend. Aber ich habe mich auch streckenweise so über die Machart geärgert, dass ich insgesamt kein positives Leseerlebnis hatte. Ich vergebe 2 Fräulein für die gute Idee.

Und, Herr Adlon, es heißt „MAINTAL“! Ohne H! (Paul Schweigert wohnte in seiner Zeit als Frankfurter Kommissar in Maintal- Bischofsheim, zufälligerweise auch bei mir um die Ecke ;-))

2 von 5

Titel: Tod im Netz
Autor: Andreas Adlon
ISBN-13: 978-1495319754
Seitenzahl (Taschenbuch): 268 Seiten
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
Erscheinungsdatum der Auflage: 27. Januar 2014

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Ein Gedanke zu “Adlon, Andreas: Tod im Netz

  1. Das kann ich gut verstehen! Ich finde Bücher – und ganz besonders Krimis – auch noch spannender, wenn sie in einer Umgebung spielen, die ich gut kenne. Schade, dass dich das Buch dann aber insgesamt doch nicht überzeugen konnte.

    Mit lieben Grüßen,
    Sarah Maria

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