Wolf, Daniel: Das Licht der Welt

Das Licht der Welt von Daniel WolfEndlich mal wieder ein historischer Roman! Über die Weihnachtsfeiertage habe ich zahlreiche gemütliche Stunden mit Tee und Buch auf dem Sofa verbracht und gelesen. Und „zahlreiche Stunden“ im wahrsten Sinne des Wortes, denn „Das Licht der Welt“, Daniel Wolfs neuer Roman, hat ganze 1150 Seiten!

Inhaltlich schließt der Roman an „Das Salz der Erde“ an, allerdings habe ich diesen auch nicht gelesen und in „Das Licht der Welt“ trotzdem alles verstanden. Von anderen Lesern habe ich jedoch gehört, dass es das Lesevergnügen noch einmal ein wenig steigert, wenn man die Figuren schon aus „Das Salz der Erde“ kennt.

Daniel Wolf entführt uns in die Welt des beginnenden 13. Jahrhunderts, in die fiktive lothringische Kleinstadt Varennes- Saint- Jacques. Varennes ist eine aufsteigende Stadt, eine der wenigen freien Handelsstädte der Region und wird von dem Bürgermeister Michel Fleury und seinem Rat regiert. Doch die modernen Ideen, die er und seine Familie vertreten, werden natürlich nicht überall gut aufgenommen…

Im Laufe der 1150 Seiten haben wir es mit kommenden und gehenden Hauptpersonen zu tun. Kern der Geschichte bleiben allerdings die ganze Zeit über Michel Fleury und sein Sohn Rémy Fleury. Während sich Michels „Kämpfe“, die er austragen muss und die Konflikte, die er lösen muss, eher im Politik- und Handelsgeschehen befinden, will Rémy die erste städtische Schule in Varennes gründen, die nicht in der Hand des Klerus ist. Doch beide haben auch im Privaten mit den Konventionen ihrer Zeit zu kämpfen und mächtige Gegner, die alles daran setzen, die beiden zu zerstören.

Mehr will ich zum Inhalt gar nicht sagen, denn das Buch ist so vielschichtig und so komplex und berichtet die Geschichte von Varennes und der Familie Fleury über so einen langen Zeitraum, dass man sich sofort in Details verlieren würde.

Ich war so gefangen von der Geschichte, dass ich richtig in sie hineingetaucht bin und am 1. Weihnachtsfeiertag leicht kränkelnd ganze sechs Stunden auf der Couch gelegen und gelesen habe, weil ich einfach nicht mehr aufhören konnte. Daniel Wolf versteht es geradezu meisterhaft, einen immer mitzunehmen in seiner Geschichte. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass es mir zu komplex würde oder dass ich den Faden verlieren könnte. Trotzdem erzählt das Buch nicht einfach nur eine Geschichte, sondern es führt einen wirklich in die Zeit und ihre Gegebenheiten ein. Man hat nicht nur das Gefühl, nun etwas über die Geschichte der Fleurys erfahren zu haben, sondern ich war am Ende so begeistert von der Zeit des 13. Jahrhunderts, so verärgert über die Metzer Politik, so am Boden zerstört über die Rechtsprechung dieser Zeit und so enthusiastisch über die hochmodernen Demokratieideen von Varennes.

Für Liebhaber von historischen Romanen ist Daniel Wolf auf jeden Fall ein Muss und ich ärgere mich richtig über mich selbst, dass ich es bisher nicht geschafft habe, „Das Salz der Erde“ zu lesen, das in der Handlung unmittelbar vor dem aktuellen Roman angesiedelt ist. Aber das werde ich auf jeden Fall nachholen.

Wenn ihr also Lust auf einen richtig spannenden, gut recherchierten und einfach nur super tollen historischen Roman habt, der es schafft, dass man sich danach wünscht, man könnte mal in die Zeit real hineinschnuppern, dann greift hier zu – ich kann das Buch trotz einiger historischer Ungenauigkeiten (die im Anhang aber erklärt werden bzw. auf die hingewiesen wird) uneingeschränkt empfehlen!

5 von 5

Titel: Das Licht der Welt
Autor: Daniel Wolf
ISBN-13: 978-3442480500
Seitenzahl (Taschenbuch): 1152 Seiten
Verlag: Goldmann
Erscheinungsdatum der Auflage: 8. Dezember 2014

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