Tatort: Deckname Kidon (Wien)

Tatort-WienIch mag ja diese Mafia- Tatorte nicht. Diese Fälle, in denen sich die kleinen deutschen Dorfkommissare mit den Mächtigen der Welt anlegen und am Ende einfach niemand belangt werden kann. Natürlich wird das in der Realität genau so sein, aber deshalb gucke ich eben den Tatort und keine Geheimdienstdokumentation: Weil ich mit dem Gefühl ins Bett gehen möchte, dass die Bösen geschnappt wurden. Super also, dass Bibi Fellner und Moritz Eisner, eines meiner Lieblings- Kommissarenteams heute auf internationale Parkett geschickt wurde. Nämlich auf die Spur des Mossad, der in Wien einen Anschlag auf einen iranischen Politiker verübt haben soll.

Denn Dr. Alireza Basari war nicht nur ein iranischer Diplomat, sondern auch als Mitglied des Energieministeriums in die Atomprojekte des Iran verwickelt. Eine heikle Sache, denn auf Grund der internationalen Sanktionen gegen das Regime dürfen bestimmte Bauteile für Kernreaktoren nicht an das Land geliefert werden. Doch scheinbar versuchen die Iraner nun über Österreich an eben diese Bauteile zu kommen, nachdem in Deutschland ein ähnlicher Versuch bereits gescheitert ist.

Fellner und Eisner bekommen es also nicht nur mit einem verwickelten Fall zu tun, denn der Tod des Diplomaten sieht aus wie ein Selbstmord, sondern stoßen auch auf viel Widerstand von oben.

Was ich an dem Tatort gut fand: Die Kommissare. Die beiden haben einfach eine unverwechselbare Art zu ermitteln, der Humor ist immer mit dabei und auch die privaten Einblicke in Eisners Leben waren wirklich toll. Es macht immer wieder Spaß, den beiden bei ihren Fällen zuzuschauen.

Was ich an dem Tatort nicht gut fand: Die Logik. Nachdem der Staatsanwalt längst auf Selbstmord entschieden und die Leiche freigegeben hat, ermitteln die beiden trotzdem munter weiter und werden dabei auch noch fröhlich unterstützt. Hm. Ob das so realitätsnah ist, lasse ich nun mal dahingestellt.

Außerdem ist das Ende einfach ein Witz. Nachdem die beiden Kommissare den mutmaßlichen Drahtzieher des Geschäfts mit den Bauteilen, einen österreichischen Grafen mit seeehr weitreichenden Beziehungen, nicht belangen können und er auf Kaution freikommt, ärgern die beiden sich ein bisschen, stampfen einmal mit dem Fuß auf, weil sie ihn nicht drankriegen können und dann kommen zwei Agenten des Mossad um die Ecke, die aus irgendeinem Grund auf der Seite der Kommissare stehen und erschießen ihn. So einfach geht Justiz. Will der Tatort uns das damit sagen?

Und überhaupt: Erst werden die beiden Kommissare von den Geheimdienstagenten abgehört und später wird ihnen dann noch geholfen, indem sie ihnen geheime Dokumente zuspielen? Reichlich absurd, meiner Meinung nach. Aber Hauptsache, es rast ein Motorrad um die Ecke, zwei Leute schießen, der Böse stirbt und der Mossad nickt den Kommissaren freundlich zu.

So bleibt am Ende ein gemischtes Gefühl: Irgendwie war der Tatort spannend. Irgendwie war er aber auch unbefriedigend unlogisch. Freuen wir uns einfach auf den nächsten Fall mit Bibi Fellner und Moritz Eisner.

Titel: Deckname Kidon
Ort: Wien
Tatort Nr.: 930
Erstausstrahlung: 04.01.2015
Ermittler: Eisner & Fellner
Hauptdarsteller: Harald KrassnitzerAdele Neuhauser

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