Tatort: Der sanfte Tod (Hannover)

Tatort-HannoverNach fast zwei Jahren mal wieder ein Fall mit Maria Furtwängler in der Rolle der LKA- Beamtin Charlotte Lindholm! Das ist so lange her, dass ich mich an ihren letzten Fall schon gar nicht mehr erinnern kann, aber an sich fand ich die Hannoveraner Tatorte immer ganz gut – so viel weiß ich zumindest noch.

In diesem Fall wird Lindholm nach Cloppenburg gerufen (nach dem Fall in Oldenburg letzte Woche scheint der Nordwesten Deutschlands zum immer beliebteren Ziel zu werden…). Der Chauffeur des niedersächsischen Großindustriellen und Fleischproduzenten Jan Peter Landmann wurde ermordet. Heikel, denn Landmann und der Chauffeur hatten kurz zuvor die Plätze im Auto getauscht: Der Chauffeur saß hinten und Landmann fuhr. Nun stellt sich natürlich die Frage: Sollte tatsächlich der Chauffeur ermordet werden oder galt der tödliche Schuss Landmann? Feinde hat der auf jeden Fall genug, denn seine Billigfleischproduktion stößt natürlich auf nicht besonders viel Gegenliebe.

Insgesamt war es ein Tatort voller Klischees: Ein wichtiger Mann der Wirtschaft, der die Polizeibeamten durch kleine „Aufmerksamkeiten“ zu bestechen versucht und sich an die Kommissarin persönlich heranmacht, ein Chef, der das Schlottern bekommt, sobald das Wort „Presse“ oder „Anwalt“ auftaucht und so weiter. Nur ein Klischee fehlte tatsächlich und das war eine Überraschung: Es kamen keine militanten Tierschützer vor. Und ihnen wurden somit auch keine klischeehaften Verbrechen in die Schuhe geschoben.

Der Fall plätscherte so vor sich hin ohne große Höhepunkte. Lindholm ermittelte gemächlich vor sich hin, diesmal begleitet von der Cloppenburger Kriminalpolizistin Bär, die zunächst komisch wirkte, aber dann zum Lichtblick des heutigen Tatorts mutierte. Sie lockerte das Ganze etwas auf und sorgte immer wieder für Überraschungsmomente, wenn auch eher unfreiwillig lustige.

Am Ende startete Lindholm wieder ihren obligatorischen Alleingang – ohne Waffe, mit einem vorbestraften Ex- Sicherheitschef, den auf einmal das Gewissen gepackt haben soll, betrat sie das gefährliche Labor, in dem Landmann Fleischimitate herstellen soll – kann man ja mal machen. Am Ende dieser Aktion fiel sie für zwei Wochen ins Koma. Zeit genug für Landmann, um alle Beweise dafür zu beseitigen, dass er seinen Chauffeur hat ermorden lassen (weil der einige Geheimnisse über die Fleischimitate ausplaudern wollte) und Zeit genug für ihren Chef, um die Ermittlungen offiziell abzuschließen und den Fall ad acta zu legen.

Am Ende überführt die Tochter dann den Vater, aber wenn ich es richtig verstanden habe, hat sie ihm in der nächsten Szene schon wieder verziehen. Und Lindholm findet noch den bulgarischen Arbeiter, der die Schweinereien von Landmann beweisen können soll, aber dann endet der Fall auch einfach. 1,5 Stunden rum, das Ende bleibt offen – guten Appetit beim Fleischverzehr!

Wahrscheinlich war nichts in dem Fall wirklich unrealistisch. Wahrscheinlich war vieles sogar erschreckend realistisch, vor allem der Charakter von Landmann (der übrigens von Heino Ferch wirklich gut gespielt wurde!). Aber irgendwie plätscherte alles so unmotiviert vor sich hin. Man kann vielleicht im Feuilleton von einem „leisen“ Fall sprechen, aber ich würde es einfach als „lahmarschig“ bezeichnen. Irgendwie ist nichts passiert, am Anfang war alles so wie am Ende, die Bösen haben gewonnen, Lindholm hat schon wieder nicht den Spagat zwischen Arbeit und Familie geschafft – alles wie immer also. Und man merkt, dass man den Hannoveraner Tatort in den letzten zwei Jahren gar nicht so sehr vermisst hat.

Titel: Der sanfte Tod
Ort: Hannover
Tatort Nr.: 925
Erstausstrahlung: 07.12.2014
Ermittler: Charlotte Lindholm
Hauptdarsteller: Maria Furtwängler – Heino Ferch

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