Filmrezension: Der Kreis (2014)

Der-Kreis-Plakat-BerlinaleHeute wollen wir euch einen ganz besonderen Film vorstellen. Einen Film, der nicht nur seit seiner Premiere zahlreiche Preise abgeräumt hat, sondern auch von der Schweiz für den diesjährigen Oscar nominiert wurde.

Zu Beginn des Films befinden wir uns in Zürich, Mitte der 50er- Jahre. Der junge Lehrer Ernst Ostertag (Matthias Hungerbühler) ist anders als die anderen – er ist homosexuell. Etwas, was man zu dieser Zeit lieber nicht zu laut oder besser gar nicht sagen durfte. Nach seinem Eintritt in die damals größte Schweizer Schwulenorganisation „Der Kreis“ lernt er auf einer Feier den jungen Röbi Rapp (Sven Schelker) kennen, der das Publikum mit einer Travestieshow begeistert. Die beiden verlieben sich ineinander und müssen fortan ihre Liebe als Geheimnis leben – mitten in einer Zeit, in der der Schwulenhass in der eigentlich liberalen Schweiz (Homosexualität war dort zu dieser Zeit nicht verboten) einen ungeahnten schrecklichen Höhepunkt erreicht. Morde im „Milieu“ und Razzien verschärfen die Lage, bis es schließlich 1967 zur Auflösung des „Kreises“ kommt.

Warum ist dieser Film so besonders? Nun, zum einen ist er wunderschön inszeniert. Ich hatte mehr als einmal Tränen in den Augen, aber ich hatte auch immer wieder ein Lächeln auf dem Gesicht. Und zum anderen ist er eine Mischung aus Spielfilm und Dokumentation. Denn: Ernst Ostertag und Röbi Rapp gibt es wirklich!

Die Spielfilmszenen erzählen ihre Lebensgeschichte in jungen Jahren, immer wieder werden sie allerdings unterbrochen für Interviews mit den beiden in der heutigen Zeit. Auch andere Zeitzeugen kommen zu Wort, die das ein oder andere Ereignis historisch erklären oder Hintergrundinformationen geben. Außerdem werden auch immer wieder Schwarzweißbilder aus den 60er- Jahren eingespielt, die das Ganze stimmungsvoll untermauern.

Am Anfang war ich sehr überrascht von der Machart des Films und fragte mich, warum man Spielfilm und Interviews nicht getrennt hat, aber schon nach einer Weile war ich absolut von dem Konzept überzeugt. Vielmehr freute ich mich dann auf die Interview- Unterbrechungen der Szenen, denn wann hat man schon mal die Möglichkeit, zu erleben, dass eine in einem Film handelnde Figur ihre Entscheidungen begründet und erklärt? Der absolute Mehrwert dieser Interviews für den Film wird hierbei sehr schnell ersichtlich.

Allerdings hätten mir hierbei die Interviews mit Ernst Ostertag und Röbi Rapp gereicht, die anderen hätte ich nicht unbedingt gebraucht, einzig Ernst Ostertags Schwester war noch wirklich interessant zu hören, da seine Familie auch in dem Film thematisiert wird und eine ziemlich ambivalente Rolle spielt.

Insgesamt ein starker Film, der wirklich unter die Haut geht und zum Nachdenken bringt, denn leider ist das Thema ja wieder ziemlich aktuell. Umso schöner, dass es Menschen wie Ernst Ostertag und Röbi Rapp gibt, die sich ihre Liebe nie haben verbieten lassen und sogar das erste gleichgeschlechtliche Paar in der Schweiz wurden, das sich trauen ließ. Sehr gute Schauspieler, von denen sicherlich noch einiges zu hören sein wird, und ein tolles Szenenbild runden diesen Film ab und er hat definitiv volle Punktzahl verdient und die Bitte, ihn doch endlich auch in mehr deutschen Kinos anlaufen zu lassen! (Auch wenn die Schweizerdeutsche Version wirklich toll anzusehen und vor allem anzuhören war ;-))

5 von 5

Filmtitel: Der Kreis
Produktionsfirma: Edition Salzgeber
Regisseur: Stefan Haupt
Premiere (Deutschland): 10. Februar 2014
Hauptdarsteller: Sven Schelker (Röbi) – Matthias Hungerbühl (Ernst)

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2 Gedanken zu “Filmrezension: Der Kreis (2014)

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