Tatort: Eine Frage des Gewissens (Stuttgart)

Tatort-StuttgartDer erste Stuttgarter Tatort in diesem Jahr und das, obwohl es doch schon fast wieder rum ist. Schade eigentlich, denn der Fall gehörte auf jeden Fall zum guten Mittelfeld in diesem Jahr – Abzüge gab es lediglich in der arg konstruierten Wendung des Falls.

Aber von vorne: Lannert und Bootz greifen bei einer Geiselnahme in einem Supermarkt ein, sind die ersten Polizisten vor Ort. Während Bootz die Lage sichert und die Kunden des Supermarkts dazu bringt, sich zu verstecken, wird Lannert mit dem Geiselnehmer und der Geisel konfrontiert. Als der Geiselnehmer ankündigt, die Geisel nun umzubringen, erschießt Lannert ihn.

Szenenwechsel: Die beiden Kommissare sind in der Anhörung bei Gericht. Ein Anwalt, der die Mutter des toten Geiselnehmers vertritt, möchte den beiden auf Teufel komm raus Willkür andichten. Und so weit hergeholt ist das gar nicht. Denn wie man bereits zu Beginn erfahren hat: Bootz hat den entscheidenden Moment des Schusses nicht gesehen, da er eine junge Frau, die in die Schusslinie laufen wollte, zurückgehalten und zu Boden gedrückt hat. Allerdings behauptet er das Gegenteilige vor dem Richter, um seinem Kollegen den Rücken zu stärken.

Als Zuschauer ist man hin- und hergerissen. Auf der einen Seite versteht man die Wut der Kommissare, dass sie sich für jeden Schritt rechtfertigen müssen, obwohl die Situation schnelles und instinktives Handeln erforderte, auf der anderen Seite erkennt man auch die Notwendigkeit, eben jeden Schritt zu hinterfragen, damit man sicherstellen kann, dass es zu keiner Willkür gekommen ist.

Bei der Anhörung wird dann auch die junge Frau, Alice Gebauer, vorgeladen, die Bootz zurückhalten musste. Sie ist vollkommen panisch, widerspricht sich selbst in ihren Aussagen. Als Bootz sie am Abend (aus… Gründen) nochmal besuchen will, findet er sie erschossen vor. Klar, dass der Verdacht nun auf ihn fällt.

Bootz und Lannert dürfen nun (aus… Gründen) in diesem Mordfall ermitteln. Das ist zwar unrealistisch, aber egal, weiter im Text. Sie finden heraus, dass der Geiselnehmer den Überfall nicht alleine geplant hat, sondern dass noch drei seiner Freunde und unter anderem auch Alice Gebauer daran beteiligt waren. Bootz ermittelt allerdings nur die Hälfte der Zeit, die andere Hälfte sitzt er trinkend entweder zu Hause oder vor dem Laptop, weil ihm seine Scheidung und die Trennung von seinen Kindern zu schaffen macht. Nachdem er dann „beurlaubt“ wird, ermittelt er aber ganz normal weiter. Wie das immer so ist in Tatorten.
Nachdem dann die anderen beiden Freunde des Geiselnehmers ausfindig gemacht werden, kommt es zu der oben schon geschriebenen suuuper konstruierten Wendung: Alice Gebauer hat ihrer Freundin kurz vor ihrem Tod eine Mailboxnachricht hinterlassen, auf der sie total verzweifelt ist und weint und sagt, sie habe bei Gericht „ihn“ gesehen. Sie sei sich sicher, dass „er“ ihr etwas antun werde. Lannert und Bootz scheiden eigentlich aus, denn es war ja klar, dass sie die beiden bei der Anhörung treffen würde. Bleibt also eigentlich nur der Schmierlappen von Anwalt, der einen Feldzug gegen die Polizei führt. Und tatsächlich: Alice Gebauer wurde als 16jährige vergewaltigt. Von einem unbekannten Täter. Von diesem Anwalt. Der das natürlich zugibt. Und im gleichen Atemzug werden alle Vorwürfe der Willkür gegen Lannert fallengelassen.

Okay. Das ist unrealistisch, aber nicht undenkbar. Ein Schnulzen-Ende eben. Die Polizisten sind rehabilitiert, der Böse gefasst, das System wird nicht mehr angegriffen. So kann ich beruhigt ins Bett gehen. Aber schade finde ich es trotzdem, denn das Ganze fing an als Polit- Thriller und löste sich dann durch kuriose Wendungen, die Brücken zu längst zurückliegenden Fällen schlugen, allzu sehr in Wohlgefallen auf. Trotzdem gab es den einen oder anderen Denkanstoß, den man weiter verfolgen könnte, wenn man heute Nacht nicht schlafen kann. Denn dass die Handlungen der Polizei genau hinterfragt werden, ist ja ein hochaktuelles Thema, das häufig nur einseitig betrachtet wird.

Übrigens, die schauspielerische Leistung war auch gut. Und es wurde sogar ein bisschen geschwäbelt!

Ach ja, bleibt noch die Auflösung: Alice Gebauer wurde nicht von dem Anwalt ermordet, sondern von dessen Frau. Um sie an einer Anzeige zu hindern. Und die Ehefrau erschießt sich dann nachher noch selbst. Naja. Ich lass das mal so stehen.

Titel: Eine Frage des Gewissens
Ort: Stuttgart
Tatort Nr.: 923
Erstausstrahlung: 23. November 2014
Ermittler: Bootz & Lannert 
Hauptdarsteller: Felix Klare (Sebastian Bootz)Richy Müller (Thorsten Lannert)

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