Filmrezension: Der Baader-Meinhof-Komplex (2008)

filmplakat-bmk_300x432Bitte nicht wundern: Ausnahmsweise erscheint die Filmrezension heute mal freitags (immerhin ist es für Jason Segel!) und auch keine so aktuelle. Ab nächster Woche ist dann aber alles wieder wie gewohnt!

1970 gründen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und weitere Personen die Rote Armee Fraktion. Ihre Bewegung besteht zeitweise aus drei Generationen, zwischen 60 und 80 Personen. Sie sind verantwortlich für über 30 Morde, mehrere Entführungen und Banküberfälle, Sprengstoffattentate und eine Vielzahl von Verletzten und Sachschäden.

Bernd Eichinger (verstorben 2011, bekannt für „Die Unendliche Geschichte“, „Das Parfum“ ) und Uli Edel (bekannt für „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, „Das Adlon. Eine Familiensaga“) beleuchten in ihrem Film „Der Baader-Meinhof Komplex“ die Zeit zwischen 1967 und 1977.

Kurz vorweg: 1985 erscheint das Sachbuch „Der Baader-Meinhof-Komplex“ von Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust. Diese behandelt die frühe Geschichte der RAF unter Baader, Ensslin und Meinhof und gilt als die umfassendste Dokumentation über diese. Das Buch endet mit dem Deutschen Herbst 1977 und der Entführung von Hanns-Martin Schleyer, der Landshut-Entführung, sowie dem kollektiven Suizid der in Stammheim inhaftierten Terroristen.

Wer den Film nicht kennt, braucht gar nicht an eine langweilige Neue-Geschichte Dokumentation denken, die man auch mal nachts auf N24 schaut, zwischen Panzer- und 2. Weltkriegs-Dokumentationen. Edel und Eichinger achteten nicht nur auf Authentizität – in Polizeiberichten übermittelte Fakten, wie z.B. Anzahl abgegebener Schüsse, bis hin zur Schamhaar-Perücke – zum gleichnamigen Sachbuch, sondern auch auf schonungslose Szenen. Sei es das Attentat auf Rudi Dutschke oder der Suizid der später inhaftierten RAF-Führung. Nichts wird nicht gezeigt. Was vielleicht verwirrend wirken mag: Der Film hat keine durchgängige Handlung, sondern springt zwischen einzelnen Handlungen.

Während eines Staatsbesuchs des Schah Mohammad Reza Pahlavi kommt es zu der gewaltsame Auflösung einer Demonstration, bei der der Student Benno Ohnesorg vor der Deutschen Oper erschossen wird. Kurz darauf wird Studentenführer Rudi Dutschke bei einem Mordanschlag lebensgefährlich verletzt. Es folgen Proteste gegen den Axel-Springer-Verlag, sowie Anschläge auf Frankfurter Kaufhäuser. Die Täter werden inhaftiert. Die Journalistin Meinhof, die anfangs nur über Baader und Ensslin berichtete, „wechselt die Seiten“ und ist fortan Teil der Bewegung. Die RAF verübt in den folgenden Jahren mehrere Anschläge auf das US-Militär, eine Polizeidirektion und das Verlagshaus Axel Springer. Generalsekretär Buback und sein Fahrer werden von der RAF ermordet, eine Maschine der deutschen Lufthansa wird voll besetzt entführt. Nach Tagen kann die Maschine gestürmt werden und der Plan der RAF schlägt in Mogadischu fehl – die zu diesem Zeitpunkt im Hochsicherheitstrakt in Stammheim inhaftierte RAF-Führung erfährt von den Aktionen der mittlerweile dritten Generation und entschließt sich zum kollektiven Selbstmord. Infolgedessen wird der seit 43 Tagen entführte Hanns-Martin Schleyer erschossen.

Wenn es nach mir ginge, gehört der Film in jede gutsortierte DVD-Sammlung, wenn man an der jungen deutschen Geschichte interessiert ist. Ich gebe zu, der Film ist nicht geeignet, um ihn mit seinen Kindern zu schauen, auch wenn laut FSK der Film ab 12 freigegeben ist: Ich finde ihn zeitweise einfach zu brutal, zu ehrlich und zu nah. Allerdings beschreibt dieser Film eine der wichtigsten Epochen der jüngeren deutschen Geschichte, die im Geschichtsunterricht häufig nicht zur Sprache kommt. Und das in historisch korrekter Art und Weise und trotzdem mit Spielfilmcharakter. So macht Geschichte Spaß! Also, auch wenn man kein Filmfreak ist: Unbedingt anschauen! Es lohnt sich.

Lieblingszitat aus dem Film: “Protest ist, wenn ich sage, das und das passt mir nicht. Widerstand ist, wenn ich dafür sorge, dass das, was mir nicht passt, nicht länger geschieht.“ (Ulrike Meinhof)

5 von 5

Filmtitel: Der Baader-Meinhof Komplex
Produktionsfirma: Constantin Film
Regisseur: Uli Edel
Premiere (Deutschland): 2008
Hauptdarsteller: Moritz Bleibtreu (Andreas Baader)Martina Gedeck (Ulrike Meinhof)

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