Flynn, Gillian: Gone Girl – Das perfekte Opfer

71kHLBvRV6L._SL1500_Ein Hypebuch, das sich monatelang auf der Spiegelbestsellerliste hält. Und auch noch ein Thriller. Also eigentlich nichts, das auf meiner Wunschliste landen würde. Bis ich neulich im Kino saß und der Trailer zur Verfilmung des Romans lief. Und ich mir dachte: Irgendwie klingt das total spannend! Aber in den Film will ich nicht gehen, bevor ich nicht das Buch gelesen habe. Wenn es zu schrecklich ist, dann kann ich einfach aufhören zu lesen, im Kino zwischendurch rausrennen macht man ja doch nicht und dann bekommt man Albträume. Oder ich bekomme die zumindest. Ich muss ja sogar manchmal beim Tatort wegschauen, wenn der Mord zu grausam ist. Und Psychothriller sind auch noch nie so meins gewesen (sehen wir Sebastian Fitzek mal als Ausnahme, die die Regel bestätigt).

Aber weiter in der Geschichte: Tagelang plagte ich mich mit dem Gedanken, ob ich das Buch denn nun lesen solle. Und dann kam der Zufall ins Spiel: Auf einer bekannten Verkaufsplattform, auf der man gebrauchte Bücher kaufen kann, fehlten mir noch 4 Euro bis zum kostenlosen Versand und es gab ein Exemplar von „Gone Girl“ für 4 Euro. So zog das Buch dann einige Tage später bei mir ein und lag erstmal noch eine Woche auf dem Wohnzimmertisch und starrte mich mit seinem unheimlichen Cover an. Bisher wusste ich nicht mehr von der Geschichte als der Film- Trailer hergibt: Eine Frau, die scheinbar ein perfektes Leben geführt hat, verschwindet und die Öffentlichkeit schießt sich auf Grund mehrerer „Beweise“ auf den Ehemann als Täter ein – ob er es war, ist dann wahrscheinlich die Frage dahinter.

Aber nachdem ich das Buch nun endlich gelesen habe, kann ich nur sagen: Die Dinge liegen viel viel tiefer unter der Oberfläche als man sie erwartet. Wir folgen zu Beginn Nick Dunne, dem Ehemann der verschwundenen Amy Dunne durch die Geschichte, begleiten ihn in den schrecklichen Tagen nach dem Verschwinden seiner Frau. Doch die Autorin weckt gezielt Zweifel beim Leser: Erzählt Nick wirklich alles? Wieso verhält er sich so komisch? Ist er vielleicht sogar der Täter?

Nach und nach gelingt es der Polizei – und mit ihnen dem Leser – hinter die perfekte Fassade von Nicks und Amys Leben zu schauen, man beginnt, sich in die Figuren einzufühlen. Und das ist der Moment, in dem Gillian Flynn einem auf die Finger haut wie einem ungezogenen Kind, das in die Keksdose linst. Nur, dass sie nicht die Keksdose wegschnappt, sondern sie umdreht und auf einmal ist es eine Milchtüte. Oder so. Versteht ihr, was ich damit sagen will? In dem Moment, in dem man glaubt, zu verstehen, verändert sich alles. Und wenn man wieder in die Nähe eines Verstehens kommt, ändert sich auch wieder alles.

Lange Zeit war ich mit dieser Art des Erzählens etwas überfordert, aber auch sehr angetan davon und habe das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen (schon allein deshalb, weil ich abends im Bett immer bis zu einer harmlosen Stelle lesen musste, damit ich einschlafen konnte).

Ich betone hier an dieser Stelle nochmal: Ich bin keine „erfahrene“ Psychothriller- Leserin. Eigentlich ist dieses Genre für mich sogar absolutes Neuland und ich habe keine Ahnung, wie vergleichbare Bücher aufgebaut sind. Aber ich war wirklich gefesselt von den Ereignissen und der Frage, was um Himmels Willen bloß geschehen sein kann und der Art, wie dem Leser alles präsentiert wurde.

Am Ende dann: Irgendwie Ratlosigkeit. Bis zu einem bestimmten Punkt konnte ich noch mit dem Ende leben, doch irgendwann wurde der überschritten und so ganz befriedigt lässt das Ende mich nicht zurück, weswegen ich auch ein Fräulein Abzug gebe. Ich könnte nicht mal sagen, welches alternative Ende ich besser gefunden hätte (ich weiß, ein No- Go bei Kritikausübung), aber irgendwie lässt sich das Ende nicht wirklich mit meiner (vielleicht naiven) Weltsicht vereinen. Vor allem nicht, wenn man die Geschichte in der Fantasie noch ein wenig in die Zukunft spinnt. Aber naja. Die tolle, komplexe und spannend erzählte Geschichte überwiegt beim Gesamteindruck. Ob ich den Film nun noch sehen will, weiß ich zwar immer noch nicht, denn irgendwie ist ja nun auch die Spannung weg, aber vielleicht ist das für einen Angsthasen wie mich auch genau richtig.

Auf jeden Fall ein grandioser Thriller, der mich total neugierig gemacht hat, mich dem Genre ein bisschen intensiver anzunähern. Wie passend, dass letzte Woche das neue Buch von Sebastian Fitzek erschienen ist – die Rezension dazu folgt am Samstag!

4 von 5

Titel: Gone Girl – Das perfekte Opfer
Originaltitel: Gone Girl
Autor: Gillian Flynn
Übersetzer: Christine Strüh
ISBN-13: 978-3596188789
Seitenzahl (Taschenbuch):
Verlag: Fischer Taschenbuch
Erscheinungsdatum der Auflage:

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4 Gedanken zu “Flynn, Gillian: Gone Girl – Das perfekte Opfer

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  3. Hallo!

    Das Buch spukt schon eine halbe Ewigkeit auf meiner Wunschliste herum. Trotzdem bin ich mir nach wie vor unsicher. Ich sollte es wohl einfach mal lesen, dann weiß ich mehr!

    Auf jeden Fall schön, dass dir „Gone Girl“ so gut gefallen hat.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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