Ruppel, Lars: Holger, die Waldfee

Cover_Ruppel_-72Am vergangenen Freitag ist Lars Ruppel deutschsprachiger Meister im Poetry Slam geworden. Mit Gedichten über Redensarten. Was es damit auf sich hat, erfährt man in seinem kürzlich erschienenen Buch „Holger, die Waldfee“, in dem er zehn dieser Redensart- Gedichte präsentiert.

Wir alle kennen die Aussprüche „Mein lieber Herr Gesangsverein“ oder „Heidewitzka“ oder „Nicht schlecht, Herr Specht“. Aber dass hinter diesen einfach daher gesagten Dingen auch Geschichten stecken könnten, das hat bisher nur Lars Ruppel gesehen und diese erzählt er uns. Denn „Schmidts Katze“ oder der „Alte Schwede“ sind eigentlich tragische Helden, die uns etwas über die Welt lehren können. Denn das ist allen Geschichten gemein: Am Ende steht eine Moral, die jeder nachvollziehen kann.

Das Buch baut sich also aus 10 kleinen Märchen zusammen, die unseren Sprachgebrauch näher untersuchen, denn was macht Herr Specht denn eigentlich „nicht schlecht“? Und wie geht es ihm dabei? Und warum wird Heide Witzka des Dorfes verwiesen? Und ist eigentlich die Donnerlittchen- Firma für das miese Regenwetter verantwortlich? Fragen über Fragen, aber sie werden alle in diesem kleinen Büchlein geklärt.

Natürlich haben wir hier wieder das Problem, dass sich Poetry Slam Texte, besonders wenn sie gereimt sind (und das sind sie wirklich außerordentlich toll) und von Rhythmus und Betonung leben, nicht eins zu eins aufs Papier übertragen lassen, aber bei Lars Ruppels Texten gelingt das erstaunlich gut, denn die Geschichten sind so humorvoll und / oder tragisch, dass man einfach das Ende jeder Erzählung erfahren muss.

Meine absolute Lieblingsgeschichte ist übrigens das titelgebende Gedicht um „Holger, die Waldfee“, die sich auf den von Ruppel früher falsch verstandenen Ausdruck „Holla, die Waldfee“ bezieht. Diese Geschichte ist wirklich der absolute Knaller und das Highlight des Buches, ein Text, den ich immer und immer wieder hören oder lesen kann und der nie seinen Reiz verlieren wird.

Letztes Jahr bereits stand Ruppel ganz kurz davor, die deutschsprachigen Meisterschaften (unter anderem mit eben diesem Text) zu gewinnen, in diesem Jahr ist es ihm mit „Heide Witzka“ und „Alter Schwede“ geglückt. Jetzt fehlt eigentlich, um das Glück für seine Fans absolut perfekt zu machen, nur noch das Hörbuch zum Buch, was vielleicht die perfekte Lösung zwischen Lesen und live anschauen sein könnte. Aber da es das nicht gibt und Ruppel wahrscheinlich ungern in der Vorweihnachtszeit im Wohnzimmer jedes einzelnen Fans auftreten möchte, kann man sich auch einfach das Buch kaufen oder zu Weihnachten verschenken und die Texte lesen! Es lohnt sich wirklich und beweist: Lyrik und Humor müssen sich nicht ausschließen! Das Buch ist also auch durchaus für Leute geeignet, die um Lyrikbände normalerweise einen großen Bogen machen würden.

Aktuell scheint es laut der Verlagshomepage schon Lieferschwierigkeiten zu geben, aber diese sollen bis Mitte November behoben sein und dann darf jeder die wahren Geschichten über den Heiligen Strohsack oder Volker Racho lesen.

Wer sich schon mal einen Eindruck verschaffen möchte, dem sei dieses Video ans Herz gelegt, in dem Lars Ruppel den Text „Heide Witzka“ performt:

https://www.youtube.com/watch?v=5_UjthrS2QU

5 von 5

Titel: Holger, die Waldfee – Zehn Gedichte über Redensarten
Autor: Lars Ruppel
ISBN-13: 978-3944035376
Seitenzahl (broschiert): 96 Seiten
Verlag: Satyr Verlag
Erscheinungsdatum der Auflage: 15. September 2014

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