Härtling, Peter: Ben liebt Anna

ben liebt annaZum heutigen Kinderbuchdienstag, dem letzten im Monat Oktober, möchte ich euch noch einmal einen Klassiker vorstellen, bevor ich im November zu einigen weniger bekannten Kinderbüchern kommen werde. „Ben liebt Anna“ ist DER Klassiker überhaupt in Sachen erste Liebe. Im Vorwort schreibt Härtling an seine Leser, das es nicht stimme, wenn die Erwachsenen behaupten, dass Kinder keine Ahnung von der Liebe haben, dass man diese erst kennen könne, wenn man älter sei. Denn Kinder seien sehr wohl in der Lage zu lieben. Und dass diese Aussage absolut stimmt, dafür ist die Geschichte von Ben und Anna der beste Beweis.

Anna ist Polin und neu in der Klasse. Alle finden sie ziemlich doof, nur Ben merkt, dass sie gar nicht so blöd ist, sondern alle anderen nur sehr ungerecht. Aber er weiß nicht damit umzugehen, macht mit seinen Freunden Witze über sie und ärgert sich im nächsten Moment über sich selbst.

In seiner Freizeit denkt Ben nur noch an Anna und fragt sich, ob er möglicherweise in Anna verliebt ist. Auf die Frage, wie man merkt, dass man verknallt ist, antwortet sein älterer Bruder: „Also, wenn man verknallt ist, dann denkt man dauernd an das Mädchen. Und es ist so, als ob man Bauchweh hat. Wirklich.“ Und Ben fühlt sich so, als ob er Bauchweh hätte. Also springt er über seinen Schatten und folgt Anna eines Tages auf dem Nachhauseweg. Dabei erfährt er, dass Anna in einer der schäbigen Baracken wohnt, weil ihr Vater in Deutschland keine Arbeit findet. Nicht nur die Begegnung mit der ersten Liebe, auch das Kennenlernen einer anderen Kultur bewirkt einen immensen Reifungsprozess, den Ben im Laufe des Buches durchlebt.

Anna und er freunden sich an, besuchen sich gegenseitig, schreiben sich Briefe in der Schule. Aber Ben hat auch Angst davor, wie ihre Liebe von der Klasse angenommen werden wird. Und schließlich passiert auch noch etwas, was die Liebe der beiden vor eine harte Prüfung stellt…

„Ben liebt Anna“ ist eben deshalb ein absoluter Klassiker, weil diese Geschichte niemals an Aktualität verlieren wird. Egal, ob man das Buch 1979 oder 2014 liest, es ist immer noch mitten aus dem Leben gegriffen und kann so in dieser Minute hundertmal auf der Welt passieren. Außerdem ist an dieser Geschichte das Besondere, dass sie eben nicht problemlos abläuft. Es verläuft nicht wie im Märchen, dass die beiden sich treffen, einige Schwierigkeiten überwinden müssen und am Ende alles gut wird. Bis auf den ersten Schritt (das Treffen) verläuft nichts idealtypisch. Denn die beiden leben in der normalen Welt mit ihren normalen Problemen und Widrigkeiten, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen. Wie Erwachsene eben.

Außerdem ist zum Ende klar, dass aus Ben und Anna nicht das „und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende“ – Pärchen werden wird, sondern die beiden möglicherweise nur einen kurzen Abschnitt ihrer Zeit miteinander geteilt haben, in dem sie aber die Liebe zu einem anderen Menschen viel intensiver gespürt haben als andere Paare der Literaturgeschichte in sehr vielen Jahren Lebenszeit. Und eben deshalb ist das Buch auch so gut auf Erwachsene zu übertragen, eben deshalb lieben nicht nur Kinder diese Geschichte, sondern auch Erwachsene, die sich noch in Kinder hineinversetzen können. Eine wahnsinnig tolle Liebesgeschichte, die für mich zu den besten Liebesgeschichten der Welt gehört. Und ein Buch, das jeder Buchliebhaber im Bücherregal stehen haben sollte, auch wenn es „nur“ ein Kinderbuch ist.

5 von 5

Titel: Ben liebt Anna
Autor: Peter Härtling
ISBN-13: 978-3407740991
Seitenzahl (Taschenbuch): 96 Seiten
Verlag: Beltz & Gelberg
Erscheinungsdatum der Auflage: 18. August 2014

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