Beckett, Simon: Tiere

tiereSeit langem wieder ein Thriller, oder zumindest einer, der einer werden wollte.
Tiere ist einer von Becketts ersten Romanen und, das muss man leider oder vielleicht überraschenderweise so sagen, er hängt in der Qualität deutlich hinter den anderen.

Nigel arbeitet beim Arbeitsamt als Mädchen für alles. Er kopiert, verteilt und fühlt sich damit wohl. Er wohnt in dem alten Pub, der von seinen Eltern geführt wurde, doch seit diese gestorben sind, gibt es hier kein Bier und keine Zigaretten mehr. Nigel findet das nicht schlimm, er hat andere Interessen: Fernsehen und Comics. Und natürlich das, was da in seinem Keller ist, denn dort hält Nigel seine Mitbewohner, auch wenn diese dort nicht ganz freiwillig sind.

Zugegeben, Nigel ist nicht der hellste Kerze im Leuchter, das wird einem ziemlich schnell klar, aber so etwas hätte ihm wohl keiner zugetraut. Seine „Tiere“ wie er sie nennt sind die, die niemand vermisst: Obdachlose, Prostituierte und Drogensüchtige. Für sie hat er im Keller ein Verlies gebaut, in dem er sie hält, füttert und auch quält.

Sind die Tiere einmal ungehorsam, dann überschüttet er sie im eh schon kühlen Keller, in dem sonst die alten Fässer mit dem Bier lagerten, mit kaltem Wasser oder füttert sie für ein paar Tage nicht, muss er mal den Käfig reinigen, betäubt er sie mit den alten Pillen seiner Mutter, die sie kurz vor ihrem Tod nahm.

Niemand ahnt, was bei Nigel im Keller passiert, bis er das erste Mal Besuch von zwei Kolleginnen und deren Freund bekommt, diese betreten dummerweise den Keller, obwohl Nigel etwas anderes mit ihnen geplant hatte.

Ich finde die Idee, die hinter diesem Buch steckt, ganz interessant, allerdings gab es einiges, das mir nicht gefallen hat. Zum einen gibt es deutliche Probleme beim Übersetzen einiger Szenen, beispielsweise erzählt Nigel von einem Streit seiner Eltern, bei dem er durch die geschlossene Tür verstehen konnte, wie sein Vater seine Mutter eine Zauberin nannte. Im Deutschen ergibt das keinen Sinn, im Original hört Nigel statt „Bitch“ durch die Tür „Witch“. Aber „Zauberin“ statt „Bitch“ zu hören… Naja, aber ich möchte nicht allzu kleinlich sein.

Zum anderen ist das Ende viel zu abrupt. Es wirkt beinahe so, als hätte der Lektor dem Autor gesagt: „Du, pass auf, das Buch darf maximal 288 Seiten haben, du musst jetzt auf acht Seiten alles aufklären.“

Ich möchte keineswegs spoilern, aber das Ende hinterlässt einfach viel zu viele Fragen. Alles, was vorher ordentlich und genau aufgebaut wurde, wird beinahe stichwortartig abgeschlossen und dann ist plötzlich Ende.
Ich war extra noch mal im Buchladen meines Vertrauens, um zu schauen, ob in meiner Ausgabe vielleicht ein paar Seiten fehlen, aber ich blieb enttäuscht. Schade, hätte man noch zwanzig Seiten oben drauf gelegt, in denen ein ordentliches Ende steht, hätte ich das Buch doch deutlich besser gefunden.

So bleibt es bei einem geradeso durchschnittlichen Thriller, in dem nicht wirklich Spannung aufkommen will. Schade.

2 von 5

Titel: Tiere
Originaltitel: Animals
Autor: Simon Beckett
Übersetzer: Andree Hesse
ISBN-13: 978-3499249150
Seitenzahl (Taschenbuch): 288 Seiten
Verlag: rororo
Erscheinungsdatum der Auflage: 24. Februar 2011

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Ein Gedanke zu “Beckett, Simon: Tiere

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