Filmrezension: Männerhort (2014)

männerhort

Die Frage, die sich bereits vor dem Kinobesuch stellte, war, was wird ein Film mit Topbesetzung (Elyas M’Barek, Christoph Maria Herbst, Detlev Buck, Cosma Shiva Hagen, und und und) halten, der sich schon im Trailer als DER, möglicherweise, chauvinistischste Film des Jahres outet?

Vorweg zur Freude aller Frauen:

MAN SIEHT ELYAS M’BAREK HALBNACKT! OH EHM DSCHI!

Wer „Männerhort“ schaut sollte wissen, was ihn erwartet. Es ist kein Drama, in dem wir eine Hauptfigur kennenlernen, ihre Leidensgeschichte verfolgen und am Ende weinen, wenn diese dann doch stirbt. Wer Männerhort schaut, lernt drei Typen kennen: Lars, den Dixi-Klo-Mogul, der alles flachlegt, was nicht bei drei auf dem Baum ist und vielleicht mit etwas zu viel Selbstbewusstsein ausgestattet ist, Eroll, den Jungen mit dem türkischen Namen, Software-Designer mit sexsüchtiger Freundin aber viel mehr Lust zum Reden und Helmut, gekündigter Pilot, der seinen Freunden nicht sagt, dass er eigentlich schwul ist.

Aber fangen wir von vorn an.

Wo möchte Mann am wenigsten sein? In einem Shoppingcenter. Dumm nur, wenn die Partnerin einen dort jedes Wochenende hinschleift. Aber unsere drei Hauptdarsteller haben einen Rückzugsort gefunden. Während Frauchen einkauft schafft man es, sich unter einem Vorwand loszureißen und im Keller des Centers seine Freunde zu treffen. Hier steht das Bier kalt, es gibt Bundesliga, Spielekonsolen, einen Kickertisch und vor allem: Ein gemütliches, wenn auch durchgesessen wirkendes Sofa.

Lars, Eroll und Helmut verstecken sich hier regelmäßig vor ihren Frauen, zumindest Lars und Eroll, denn Helmut versteckt sich ja hier vor seinem Mann. Oft tagelang.

Eigentlich alles perfekt für die Männer, bis Facility-Manager Aykut das Trio irgendwann entdeckt und sie zwingt, ihren Männerhort in den nächsten Tagen zu verlassen. Und hier beginnt die Misere. Wo verstecken, wenn es wieder ans Shoppen geht, was tun, wenn man mit hunderten von Tüten in der Hand durch Boutiquen geschleift wird oder all die Retourpakete zur Post bringen muss? Man will den Männerhort retten.

Als die drei erfahren, dass auch Aykut bei seiner Frau unter dem Pantoffel steht, hat man zumindest etwas in der Hand. Hier kommt das nächste Problem ins Spiel: Die Probleme, die sich privat aufgetan haben gewinnen an Überhand.

Lars Frau erfährt von den Affären ihres Mannes, Erolls sexsüchtige Frau täuscht vor, sich umbringen zu wollen, damit er ihr mehr Aufmerksamkeit gibt und Helmuts Freund droht herauszufinden, dass Helmut eigentlich gar kein Pilot mehr ist.

Ich fand den Film sehr gut. Muss ich einfach mal so sagen. Ich mag es aber auch, mich einfach in den Kinositz fallen zu lassen und mal zwei Stunden nicht über die krasse Handlung nachdenken zu müssen. Man wird berieselt, der Film ist kurzweilig und hat wenig Längen. Man hat ein bisschen Handlung zwischen die oft derben Witze geschoben, die zur Sache passt, vielleicht ein wenig überzogen ist, aber das braucht so ein Film ja auch irgendwie.

Von der schauspielerischen Leistung her: Chapeau. M’Barek als Eroll, der viel lieber redet als zu vögeln und so gar nicht Fack ju Göthe ist, Herbst in seiner Paraderolle als Arsch, nur anders als in Stromberg, vor allem wortgewandter und spontaner, keine Spur von „Lass das mal den Papa machen“ und mit Haaren sieht er auch fast aus wie ein neuer Mensch.

Detlev Buck ist eher zurückhaltend, spielt den – das darf man hoffentlich so sagen – Quotenschwulen, der gut verschleiert, dass er eigentlich gar nicht auf Frauen steht und keine hat. Dazu Cosma Shiva Hagen, die Gott sei Dank nicht ist wie ihre Mutter. Alles wunderbar.

Der Plot ist interessant und für diesen Film wunderbar einfach und minimalistisch gehalten, was vielleicht daran liegt, dass Männerhort eigentlich ein Theaterstück ist. Für mich: Gute Umsetzung, gute Besetzung, guter Film. Solide, liebe Freunde. Gerne mehr.

Was mich übrigens auch sehr gefreut hat, ist ein Auftauchen von Michael Gwisdek als Mann in der Strickjacke…

Lieblingszitat:

Helmut: „Wer führt das Land an, hm? EINE FRAU!“
Lars: „Naja. Frau…“

4 von 5

Filmtitel: Männerhort
Produktionsfirma: Constantin Film
Regisseur:  Franziska Meyer Price
Premiere (Deutschland): 2014
Hauptdarsteller: Christoph Maria Herbst (Lars)Elyas M’Barek (Eroll)Detlev Buck (Helmut)Cosma Shiva Hagen (Connie)Serkan Cetinkaya (Aykut)

Advertisements

3 Gedanken zu “Filmrezension: Männerhort (2014)

  1. Wir wollen am Wochenende in den Film und ich bin echt gespannt ob die Rezension stimmt 🙂
    Danke auf jeden Fall für die Anregung und dass das so aktuell ist.
    Was kommt denn als nächstes?
    Liebe Grüße
    Karin

    • Hallo Karin,
      vielen Dank für deine liebe Rückmeldung und viel Spaß bei dem Film!
      Was als nächstes kommt, hängt ein bisschen davon ab, ob wir es diese Woche nochmal ins Kino schaffen… 😉 ansonsten kommen auch mal nicht mehr so aktuelle Filme, die aber vielleicht trotzdem gute Tipps sind für einen netten DVD- Abend unter Freunden oder mit dem Schatz auf dem Sofa.
      Viele Grüße, Fräulein Bücherwald

  2. Pingback: Monatsrückblick Oktober | Fräulein Bücherwald

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s