Tatort: Der Wüstensohn (München)

Tatort-München

Nachdem es letzte Woche aus privaten Gründen keine Tatort- Rezension gab, habe ich heute natürlich wieder um 20:15 Uhr pünktlich vor dem Fernseher gesessen und mir den Münchner Fall „Der Wüstensohn“ angeschaut.

Ein Prinz, Sohn des Emirs von Kumar, heizt zu Beginn mit 200 Sachen über eine Straße, weicht Polizisten aus, wird aber schließlich gestellt. Auf dem Beifahrersitz: Eine Leiche. Batic und Leitmayr nehmen sich dem schwierig zu ermittelnden Fall an, denn alle Beteiligten besitzen diplomatische Immunität.

Der Tote ist ein Freund des Prinzen und – wie sich später herausstellt – Teil der Opposition im Emirat, ermittelt selbstständig in Korruptionsfällen. Ebenfalls eine ambivalente Rolle spielt die deutsche Studentin Michaela, die scheinbar sowohl mit dem Toten als auch dem Prinzen etwas am Laufen hat.

Der Prinz wird in diesem Stück zum tragischen Helden. Zunächst erscheint er wie ein blasierter Milliardärs- Sohn, der nicht weiß, wohin mit seinem Geld und seinem Koks. Doch im Verlauf des Falls kommt immer mehr zum Vorschein, wie wenig er die Fäden in der Hand hält, wie sehr er vom Konsul und seinem Vater abhängig ist.

So wird er allerdings gegenüber der Kommissare immer zugänglicher, gewährt ihnen Einblick in die privaten Räume, den Laptop des Toten, Überwachungsvideos einer Kneipenschlägerei, an der der Tote beteiligt war.

Doch dann wird klar: Hier geht es nicht um raufende Jungs, die Party machen. Hier geht es um illegale Geschäfte. Waffenhandel, U- Bahn- Bauprojekte – dem Emir ist an vielem gelegen und die bayrischen Geschäftsleute und Politiker haben wenig Skrupel, die Dinge „unkompliziert“ zu regeln. Besonders der Konsul des Emirats hat Dreck am Stecken, nutzt den Teppichladen „Der Wüstensohn“ des Prinzen für illegale Waffengeschäfte.

Und am Ende: Die Ernüchterung. Niemand kann belangt werden. Zumindest niemand der Auftraggeber. Batic und Leitmayr gönnen sich zwar noch einen kleinen Spaß, indem sie den Staatssekretär Baum, der ebenfalls in der Sache drinhängt, vor der Presse bloßstellen, aber abgesehen von ein bisschen Egobefriedigung bleibt nichts.

Ebenso wie letzte Woche waren hier die Menschen, mit denen sich die Kommissare angelegt haben, ein wenig zu mächtig. In dem Fall okay, aber noch einen Tatort dieser Art muss ich nun auch nicht mehr sehen, das macht Angst.

Insgesamt aber ein guter Tatort, den Anfang fand ich recht schleppend, später nahm das Ganze jedoch Fahrt auf. Untypisch für die BR- Tatorte fand ich den ausgesprochen amüsanten Wortwitz in den Dialogen, ich habe einige Male herzhaft gelacht.

Die Story überzeugte, auch wenn manches ein bisschen zu überzogen dargestellt wurde, zum Beispiel das Halten der Kamele im Garten.

Der Fall soll sich (nach Presseinformationen) übrigens grob an dem Verhalten des Gaddafi- Sohns orientieren, der einige Jahre lang in München ein sehr ausschweifendes Leben geführt hat. Aber wie auch immer – die schauspielerische Leistung von Yasin el Harrouk war mehr als überzeugend. Und die Kommissare sind ja eh gut – durch den eben angesprochenen Witz in den Dialogen sogar noch ein bisschen besser als sonst.

Titel: Der Wüstensohn
Ort: München
Tatort Nr.: 916
Erstausstrahlung: 13.09.2014
Ermittler: Batic & Leitmayr
Hauptdarsteller: Miroslav NemecUdo Wachtveitl

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s