Franck, Julia: Die Mittagsfrau

978-3-10-022600-6„Die Mittagsfrau“, ein Roman der Schriftstellerin Julia Franck, gewann 2007 den Deutschen Buchpreis und lachte mich schon länger vom Bücherregal meiner Mutter aus an. Als ich dann die letzten zwei Wochen mal wieder bei ihr war, konnte ich nicht widerstehen und habe das Buch an zwei Tagen durchgelesen.

Der Roman beginnt mit einem Prolog, in dem der Junge Peter von seiner Mutter an einem Bahnhof alleine zurückgelassen wird. Der Krieg ist vorbei, die beiden wollen aus Stettin abreisen und in Richtung der nächsten Stadt fahren. Doch beim Umsteigen verschwindet die Mutter plötzlich und Peter ist auf sich allein gestellt.

Dann setzt die eigentliche Handlung des Romans ein, in der die Lebensgeschichte von Helene Würsich erzählt wird. Geboren wird sie am Anfang des 20. Jahrhunderts, erlebt eine schreckliche Kindheit in Bautzen und schließlich in den 20er- Jahren eine wunderschöne Jugendzeit in Berlin, erlebt einen schrecklichen Verlust und eine Ehe. Dieser Teil macht bis auf den Prolog und das Ende (in dem es dann wieder um Peters Geschichte geht) das ganze Buch aus.

Lange Zeit habe ich mich gefragt, wie der Prolog zu dieser Geschichte passt, da Peter zu Beginn des Buches erzählt, dass seine Mutter Alice heißt, Helene Würsich also scheinbar nichts mit ihm zu tun hat. Aber dieser Umstand wird am Ende aufgelöst.

Insgesamt hatte das Buch für mich positive und negative Komponenten. Die Lebensgeschichte von Helene Würsich ist toll erzählt, mit einfachen Sätzen, die auch vieles offenlassen, deren Lücken aber jeder Leser mit seiner Fantasie gut füllen kann. Julia Franck hat einen äußerst nüchternen Sprachstil, der auf mich zunächst den Eindruck machte, dass Helene kaum etwas fühlt, was wiederum zu dem Problem führte, dass sie mir fremd blieb. Erst als ich die Figur näher kennengelernt habe, konnte ich mich in ihren unausgesprochenen Gedanken und Gefühlen annähern.

Trotzdem habe ich die ganze Zeit irgendwie auf „den großen Knall“ gewartet. Helene Würsichs Leben vollführt zwar einige – auch unerwartete – Änderungen, aber für mich schwebte die Frage im Raum, ob die Autorin Helenes Geschichte als individuelle Erfahrung erzählen will oder nicht vielmehr ein Stimmungsbild aus dem Berlin der 20er- Jahre zeichnen oder Peters Geschichte erzählen möchte. Die tiefere Psychologie, die in diesem Buch verankert ist, die kleinen, aber prägenden Ereignisse, die später zum psychologischen Gesamtbild der Helene Würsich wurden, erschlossen sich mir nur nach und nach, weshalb ich das Gefühl hatte, mich in der ersten Hälfte etwas durch das Buch zu quälen. Je weiter ich in der Seitenzahl kam, desto mehr vereinnahmte mich die Geschichte allerdings.

Und als Helenes und Peters Geschichten dann zusammenliefen, als man die Zusammenhänge verstand, hat das Buch für mich erst wirklich Fahrt aufgenommen. Vorher hatte ich doch eher das Gefühl, dass sich die Handlung manchmal etwas in Details des gesellschaftlichen Lebens verloren hat, die zur Geschichte wenig beitrugen.

Insgesamt auf jeden Fall ein lesenswertes Buch, allerdings eines, für das man sich angemessen Zeit nehmen muss. Trotzdem bin ich froh, dass ich es relativ zügig bis zum Ende gelesen habe. Große Pausen beim Lesen würden das Verstehen der psychologischen Vorgänge wohl eher verhindern. Sehr tiefgründige Literatur, die ohne sprachlichen Schnickschnack auskommt – sehr angenehm, wie ich finde, aber ein Buch, an das man vielleicht ohne zu große Erwartungen herantreten sollte (im positiven Sinne), da es sie wahrscheinlich sowieso unterwandern wird mit seiner sehr speziellen Thematik und Erzählweise.

4 von 5

Titel: Die Mittagsfrau
Autor: Julia Franck
ISBN-13: 978-3596175529
Seitenzahl (Taschenbuch): 429 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch
Erscheinungsdatum der Auflage: April 2009

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Ein Gedanke zu “Franck, Julia: Die Mittagsfrau

  1. Ich finde es langweilig, dass sie immer wieder das gleiche Thema in Dramen packen, und unsagbar nerven. Es sind Bücher, Filme und zigtausend Sachen zu den Themen erschienen. Ich schätze die Frau hat das falsche Studiert und wird nun vom Spiegel, der Branche hochgelobt. So funktioniert das Arbeitslosenvertuschungsprogramm auf Pump und mit gedealtem Drogengeld in Deutschland. Die Nannis sind nichts anderes als Erzieherinnen die sie früher beim Adel verflucht haben. An der Branche gehen alle Länder Pleite. Der Film unsere Mütter, unsere Väter sagte alles. Und die Berliner die nichts erwirtschaften ist inzwischen wie der Milliardenste Tatort oder wie das Billionste Akt oder Kochbuch. Müll. Ramsch, Sondermüll.

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