Tatort: Ohnmacht (Köln)

Tatort-Köln

Schon der dritte Kölner Tatort in diesem Jahr! Köln liegt damit im Moment an der Spitze der Charts von 2014. Und auch qualitätsmäßig hatte das Ermittlerteam, bestehend aus Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) bisher mit die besten Tatorte abgeliefert, zuletzt den „Fall Reinhardt“, der wirklich unter die Haut ging.

In „Ohnmacht“ wird Ballauf Zeuge einer Schlägerei an einer U- Bahn- Station. Couragiert geht er dazwischen, kann dem Opfer, einem jungen Mann, jedoch nicht helfen, sondern wird selbst k.o. geschlagen und schließlich vor die hereinfahrende S- Bahn gestoßen, was er allerdings nur leicht verletzt überlebt. Das Opfer stirbt einige Zeit später trotz Not-OP im Krankenhaus.

Schenk und Ballauf finden schnell den ersten Tatverdächtigen: Kai Gülden, einen rotzfrechen Bengel mit langem Vorstrafenregister, der es brillant versteht, die beiden Kommissare an der Nase herumzuführen und sich eiskalt gibt. Durch eine Zeugenaussage gelangen die beiden dann noch zu Janine Bertram, behütete Tochter aus bestem Hause, Reihenhaus- Idylle pur. Doch bei ihr wird schnell klar: Die Fassade bröckelt. Die Mutter ist über-behütend und hängt ihrer Tochter an den Lippen, der Vater gibt jedoch recht problemlos zu, dass seine Tochter für ihn das Böse in Person ist und jeden mit ihrem Kleinmädchen- Getue um den Finger wickeln kann.

Als dritter im Bunde taucht dann noch Janines Freund Adrian, ein Richterinnensöhnchen auf, der die Tat mit dem Handy gefilmt haben soll.

Die drei Jugendlichen verstricken sich zunehmend in Widersprüche, allerdings reicht kein Hinweis, keine Vermutung für die Festnahme der drei. 

Dies zieht sich tatsächlich bis zum Ende, denn nach der finalen Befragung gibt es zwar von den beiden Jungen Geständnisse zu ihren Anteilen an der Tat, allerdings gelingt es den beiden Kommissaren nur, Kai Gülden bis zum Prozessbeginn hinter Gitter zu bringen. Die anderen beiden werden wieder auf freien Fuß gesetzt.

Für Max Ballauf als persönlich Betroffenen und Zeugen ebenso wie für den Zuschauer moralisch absolut unverständlich, aber natürlich rechtens. Und in dieser Szene spiegelte sich auch noch einmal wieder, warum dieser Fall „Ohnmacht“ heißt. Es ist auszuschließen, dass die Jugendlichen hohe Strafen bekommen werden. Aber sie haben einen Menschen zu Tode geprügelt. Einfach so sind sie an eine U- Bahnstation gegangen und haben sich mit dem Abzählreim „Ene mene muh“ ein Opfer herausgesucht. Dies und auch die Ohnmacht der Zeugen, die alle einfach nur herumstanden, macht einen selbst ohnmächtig angesichts dieser Moralvorstellungen. Keiner der Zeugen war auch nur in der Lage, die Polizei oder einen Krankenwagen zu rufen, geschweige denn selbst aktiv zu werden.

Die Geschichte um die Kommissare, Ballauf ermittelte befangen, war zwar nicht neu und ist so viel kritisiert, aber ich möchte gar nicht so viele Worte darüber verlieren, sondern fand es gut, dass jemand diese Ohnmacht noch als Person verkörpert hat. Dem Fall und der Dramaturgie hat das was gebracht, in der Realität würde das vielleicht anders aussehen. Aber da kann man drüber hinwegsehen.

Insgesamt ein wirklich großartiger Tatort mit viel psychologischer Tiefe und erschreckender Realitätsnähe. Die Kölner Tatorte legen die Messlatte im Moment hoch!

Doch alles wurde am Ende nochmal von der Schlussszene getoppt. Wenn ich es richtig verstanden habe (bzw. gesehen, denn in der Szene wurde nicht gesprochen), wurde Janine zu Hause von ihrem eigenen Vater umgebracht. Krass, kann ich da nur sagen. Irgendwie kann man ihn fast verstehen, aber so etwas grausames hätte ihm wohl keiner zugetraut, egal wie groß der Hass gegen seine furchtbare Tochter war, die ihn sogar des Missbrauchs beschuldigt hat, nur um sich selbst aus der Schusslinie zu bringen. Einfach nur krass. Wie kaputt können Familien sein?

Titel: Ohnmacht
Ort: Köln
Tatort Nr.: 911
Erstausstrahlung: 23.03.2014
Ermittler: Ballauf und Schenk
Hauptdarsteller: Klaus J. Behrendt – Dietmar Bär

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