Tatort: Zwischen zwei Welten (Luzern)

Tatort-LuzernIch muss ehrlich gestehen: Ich habe noch nie einen Luzerner Tatort gesehen. Nicht, weil ich es bewusst vermieden habe, sondern einfach, weil es sich noch nicht ergeben hat.

So war ich heute natürlich sehr gespannt auf den Fall „Zwischen zwei Welten“ mit dem Ermittlerteam Reto Flückinger (Stefan Gubser) & Liz Ritschard (Delia Mayer).

Und der Fall überzeugte auf ganzer Linie! Die Story war plausibel und die Episodendarsteller spielten die Kommissare locker an die Wand.

Zum Fall: Donna Müller wird am Bahndamm gefunden, offensichtlich hat sie jemand heruntergestoßen. Schnell geraten die Kommissare an viel familiären Zündstoff: Drei Kinder von drei verschiedenen Vätern werden von Donna Müller hinterlassen. Und einer davon ist Mitglied in einem radikalen Väter- Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Ex- Frauen einzuschüchtern, die den jeweiligen Vätern ihre Kinder vorenthalten wollen. 

Zunächst aber fällt es schwer, den Abend der Toten überhaupt zu rekonstruieren, da angeblich niemand weiß, was sie an diesem Abend gemacht hat und warum sie am Bahndamm war (das wird später übrigens auch nicht aufgeklärt, oder habe ich da etwas nicht mitbekommen?). Die Kinder sind traumatisiert und schweigen, zwei der Väter haben halbgare Alibis, die sich später als gelogen herausstellen.

Erst ein dramatischer Showdown, bei dem die ältere Tochter versucht, sich umzubringen, offenbart das schreckliche Geheimnis: Sie hat im Streit ihre eigene Mutter versehentlich den Bahndamm heruntergestoßen. Auch die letzten verzweifelten Versuche ihres Vaters, den Mord zu gestehen, nützen nichts mehr.

Der Fall hat mich wirklich berührt zurückgelassen. Die letzte Szene, in der die Tochter den Unfall und damit verbundenen Tod der Mutter gesteht und ihre Verzweiflung darüber, immer nur ein Spielball ihrer Eltern gewesen zu sein, war so heftig und so gut gespielt, dass ich wie gebannt vor dem Fernseher saß und wirklich getroffen war.

Wenn Eltern in ihrem blinden Hass gegeneinander so die Kontrolle über sich verlieren und völlig außer Acht lassen, dass ihre Kinder beide Elternteile brauchen und lieben, ist das wirklich erschreckend. Und die Tatsache, dass hier ein 15?- jähriges Mädchen so voller Verzweiflung schreit, dass sie genug davon hat, dass es immer nur um ihre Eltern geht und keiner sich dafür interessiert, was sie will, obwohl alle immer sagen, sie würden sie lieben, muss einem einfach nahe gehen.

Dagegen blieben die Kommissare für mich in diesem Fall eher blass. Es gab zwar auch private Einblicke, die durchaus gelungen waren, aber insgesamt standen sie nicht im Fokus des Falls. Und das meine ich gar nicht mal negativ! Meiner Meinung nach wird häufig in der Fokussierung der Kommissare etwas übertrieben (siehe z.B. die Dortmunder Ermittler mit ihren internen Affären und/ oder öffentlichen Beziehungen und psychischen Besonderheiten). Hier hat man die beiden Ermittler zugunsten des wirklich gut geschriebenen und durchdachten Falles etwas zurückgenommen.

Ich bin nun Fan! Und erwarte mit Spannung den nächsten Fall von Flückinger und Ritschard.

Titel: Zwischen zwei Welten
Ort: Luzern
Tatort Nr.: 908
Erstausstrahlung: 21.04.2014
Ermittler: Flückiger & Ritschard
Hauptdarsteller: Stefan Gubser – Delia Meyer

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