Maar, Paul: Onkel Alwin und das Sams

SAMSCOVER

Nachdem letzte Woche der fünfte Band der Sams- Reihe, „Sams in Gefahr“ mit nur einem Fräulein von mir bewertet wurde, geht es nun, mit dem sechsten Band der Kinderbuchreihe wieder etwas bergauf.

Allerdings hat „Onkel Alwin und das Sams“ nicht mehr viel mit der ursprünglichen Idee der Sams- Bücher zu tun, nämlich dass bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssen, damit das Sams für eine Woche zu den Menschen kommt.

Am Anfang des Buches ist man zu Gast auf einer Sams- Versammlung. Denn es gibt viele Samse! Und sogar ein Übersams, das über alle anderen bestimmen kann, ein Königssams sozusagen. Die Versammlung der Samse ist der Meinung, dass das Sams, das wir aus den vergangenen Büchern kennen, schon viel zu lange bei den Menschen (also den Taschenbiers) war und dadurch viel zu menschlich geworden sei. Sogar seine Rüsselnase sieht mittlerweile fast so aus wie die eines Menschen und die Schwimmflossen sind für die Füße auch nicht mehr von Nöten. Also beschließt die Sams- Versammlung, das Sams aus der Gemeinschaft auszuschließen. So kann es immer bei den Taschenbiers bleiben.

Bei denen ist die Freude natürlich groß! Aber sofort steht das nächste Abenteuer buchstäblich vor der Tür: Onkel Alwin kommt zu Besuch, Herrn Taschenbiers Onkel, der vor vierzig Jahren nach Australien ausgewandert ist. Doch Onkel Alwin ist ein übler Zeitgenosse und schnell wird klar: Das Sams muss sich seine Wunschpunkte zurückholen, die immer noch Herr Daume, Martins böser Sportlehrer aus dem letzten Band, im Gesicht hat, um Onkel Alwin wieder ans andere Ende der Welt zu wünschen.

Doch dann kommt alles ganz anders als geplant…

In diesem Band steht nicht mehr das Sams im Fokus des Geschehens, vielmehr sind die einzelnen Mitglieder der Familie Taschenbier die Protagonisten. Das Sams peppt die ganze Geschichte nur noch durch Gesänge auf, die teilweise recht fragwürdige Reime besitzen.

Außerdem passieren absurde Wendungen, die auf allzu vielen Zufällen und gefälligen Wünschen basieren und man fragt sich auch, ob diese Geschichte überhaupt noch für die gleiche Altersgruppe geeignet ist wie die vorhergehenden Bände. Es wird ziemlich viel Englisch gesprochen in dem Buch, da sowohl Rolands neue Freundin als auch Onkel Alwin aus englischsprachigen Ländern kommen. Das mag nett sein, aber ich habe die Sams- Reihe in der Grundschule gelesen und da hätte ich das alles noch nicht verstanden.

Außerdem sprechen Martin Taschenbier und seine Freunde in diesem Band wie kleine Erwachsene, mit Ausdrücken, die ein Kind niemals benutzen würde. Herr Taschenbier ist mittlerweile eigentlich sehr vernünftig geworden, nur zwischendurch wird er noch sehr bemüht als Waschlappen wie damals dargestellt, was im völligen Widerspruch zu seinem sonstigen Verhalten steht.

Außerdem gibt es noch einige Neuerungen was das Wunschverhalten angeht, die allesamt nicht sehr schlüssig erscheinen, die ich hier aber auch nicht vorwegnehmen möchte. Manchmal war ich aber irritiert.

Nun ja, nach „Sams in Gefahr“ konnte Paul Maar es eigentlich nicht mehr schlechter machen, von daher kommt „Onkel Alwin und das Sams“ bei mir besser weg als der vorherige Band. Trotzdem vermisste ich auch in diesem Buch den Witz, den Esprit und vor allem: DIE MORAL! Das war doch immer das Tolle an den Samsbüchern, dass sie so eine unverfälschte, kindliche Moral beinhalteten und dass jeder etwas vom Sams lernen konnte, egal ob man ein Kind war oder der Erwachsene, der das Buch vorgelesen hat.

Dies ist leider nur noch eine beliebige Geschichte ohne lustige Situationen, die vom Sams und seinen frechen Sprüchen verursacht werden und ohne Moral dahinter. Es geht um Betrug und um Vertrauensmissbrauch, ich verstehe nicht, was das in einem solchen Kinderbuch zu suchen hat.

Den letzten Band der Sams- Reihe, den ich nächste Woche rezensieren werde, habe ich übrigens noch nie gelesen (da er erst 2011 erschienen ist), deshalb bin ich also sehr gespannt, was Paul Maar sich für ein Ende für seine Buchreihe ausgedacht hat.

2 von 5

Hier noch einmal die Sams- Rezensionen im Überblick:

Eine Woche voller Samstage // Am Samstag kam das Sams zurück // Neue Punkte für das Sams // Ein Sams für Martin Taschenbier // Sams in Gefahr

Titel: Onkel Alwin und das Sams
Autor: Paul Maar

ISBN-13: 978-3789142840
Seitenzahl (gebundene Ausgabe): 205 Seiten
Verlag: Oetinger Verlag
Erscheinungsdatum der Ausgabe: September 2009

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4 Gedanken zu “Maar, Paul: Onkel Alwin und das Sams

  1. Eine richtig tolle Rezension, wie ich finde! Gut begründet und super geschrieben. Ich liebe das Sams und Paul Maar, aber Reihen bergen immer die Gefahr, dass wir Autoren uns möglicherweise irgendwann ein bisschen verzetteln oder den eigenen Ansprüchen vielleicht nicht mehr ganz genügen können. Das muss ich jetzt sofort und unbedingt nachschauen und das Buch lesen!

  2. Ich kann ja nachvollziehen, dass Fräulein Bücherwald sich ein Samsbuch gewünscht hat im Stil der ersten vier Bände, und nun enttäuscht ist, weil die Figuren aus den Folgebänden ein so großes Eigenleben gewonnen haben und von mir so vehement ihren Platz in der Geschichte forderten, dass das Sams zurücktreten musste.
    Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann (und was ich ärgerlich finde): Dass die Reime schlecht sein sollen und das Metrum nicht stimme? Woran macht sie das fest? Ich habe auf diese Kritik hin einem Schauspielerfreund die Gedichte vorlesen lassen: Er hatte nicht die geringsten Schwierigkeiten mit dem Metrum! Auf welche Reime bezieht sich Fräulein Bücherwald bei ihrer Kritik?

    • Lieber Herr Maar (sind Sie es wirklich höchstpersönlich?),

      vorab: Sie sind wirklich ein guter Schriftsteller und meine Enttäuschung über die Samsbände 5+6 bezieht sich natürlich auch darauf, dass alle anderen Bände auf solch einem überragenden Niveau geschrieben sind.
      Nichtsdestotrotz, das Sams hatte für in seinen Gesängen bzw. Reimen immer einen gewissen Sprachrhythmus, der stets einheitlich war. Meine Mutter und ich haben deshalb abends im Bett, wenn sie mir Ihre Bücher vorgelesen hat, immer die Lieder gesungen.
      Zunächst bezieht sich meine Kritik auf einige unreine Reime, die gesprochen etwas seltsam wirken, zum Beispiel
      „Kommt und sucht
      Känguru,
      Känguru
      auf der Flucht“
      Erstmal: Wo ist der Artikel „das“? Und dann „sucht und „Flucht“ – geschrieben ist das in einem Gedicht absolut in Ordnung, aber durch die spezielle Marotte, die Lieder mit dem Kind zu singen, hätte ich als Kind dort keinen Reim erkennen können.
      Ein Beispiel für einen Reim, bei dem ich das Metrum fragwürdig fand, war zum Beispiel:
      „Kaum frühstückt man, da klingelt schon
      ganz laut das doofe Telefon,
      und aus dem Hörer ruft Herr Schmitt:
      >Ich wünsche guten Appetit!<“
      Wenn davon ausgeht, dass man die ersten drei Zeilen singen kann und den letzten ruft, man das vom Metrum okay sein, aber „Schmitt“ und „Appetit“?
      Vielleicht war meine Reaktion in der Rezension auf solche Reime etwas übertrieben. Ich muss aber dazu sagen, dass ich diese unmittelbar nach dem Lesen des Buches geschrieben habe, mit einiger Enttäuschung im Bauch, weil ich Band 1-4 und auch Band 7 einfach so unglaublich großartig finde und als Kind so viel aus diesen Büchern ziehen konnte. Ich habe eine Stelle in der Rezension mittlerweile (mit mehr Abstand) wieder verändert.
      Trotzdem ist oben genanntes Beispiel für mich einfach kein Sams- Reim. Vielleicht mag es kindisch klingen, wenn ich sage, es ist nicht das, was ich erwartet habe, aber ich versuche das Ganze ja auch aus Kinderperspektive zu beurteilen. Die Sams- Reime aus den ersten vier Büchern konnte ich als Kind auswendig mitsingen, weil sie so einprägsam und einfach sind. In „Onkel Alwin und das Sams“ sind sie das nicht mehr unbedingt. Hier werden öfter Worte auf der „falschen“ Silbe betont, wenn man den Reim aussprechen will, das ist mir vorher nie aufgefallen.

      Können Sie mir denn Ihre Entscheidung erklären, das Sams in diesem Band etwas zurücktreten zu lassen?

      Mit freundlichen Grüßen,
      Fräulein Bücherwald

  3. Ich verstehe zwar nicht, weshalb sich „Appetit“ und „Schmitt“ nicht reinem sollen. Aber vielleich ist das mein süddeutsches Idiom.
    Zur Schlussfrage: Die Begleitfiguren (Martin, Tina, Roland) aus dem vorherigen Band wurden immer realer und wichtiger für mich, und forderten ihr Recht. So habe ich ihnen mehr Bedeutung zukommen lassen als dem Sams. Ein zweiter Grund: Aus den Briefen, die mich täglich erreichen, konnte ich herauslesen, dass „meine“ Leser sich immer mehr zu Jugendlichen entwickelt haben. Und Jugendliche interessieren sich mehr für Gleichaltrige und deren (Liebes-) Geschichten als für das Sams selbst.
    PS: Um diesen Kommentar absenden zu können, muss ich die Aufforderung „Bitte geben Sie Ihre Email-Adresse ein“ erfüllen. Ich möchte aber nicht, dass meine Adresse im Netz erscheint! Können Sie sie löschen, bevor Sie den Kommentar ins Netz stellen?
    Paul Maar

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