Tatort: Borowski und das Meer (Kiel)

Tatort-Kiel

Kieler Tatorte waren in der letzten Zeit überdurchschnittlich gut. Vor allem der letzte Fall, „Borowski und der Engel“ bot deutsche Thrillerunterhaltung der Extraklasse mit einer Psychopathin im Mittelpunkt.

Ein hoher Maßstab also heute, an dem sich der neue Fall der Ermittler Klaus Borowski und Sarah Brandt messen muss. Und dann geht es auch noch um ein regional so passendes Thema: Das Meer.

Allerdings eher um den Abbau Seltener Erden und anderer rarer Rohstoffe, hier vor der Küste Australiens. Im Fokus: Eine dubiose Firma, deren Machenschaften sich nicht immer im legalen Bereich befinden.

Und es geht um einen Whistleblower, einen deutschen Anwalt, der nach umfassenden Recherchen in Australien nicht länger damit leben kann, Teil einer Firma zu sein, die die Ozeane derart ausbeutet. Und um einen toten Umweltaktivisten, der dem Anwalt die Augen öffnete – und dafür sterben musste?

Doch bevor dieses Wissen irgendwelche Auswirkungen hat, wird besagter Anwalt, Jens Adam, auf einer Betriebsfeier erschossen. Wie ein Stein fällt er ins Meer und versinkt. Welche Druckmittel hatte er gegen die Firma Marex in der Hand? Borowski und Brandt ermitteln zunächst in Adams geschäftlichem Umfeld – bis auf einmal seine Ehefrau den Mord gesteht. Und die Frage aufkommt, ob Adam wirklich tot ist.

Ist er natürlich nicht. Kann ja mal passieren, dass man seinen eigenen Mord vortäuschen will, um sich mit seiner Geliebten nach Südafrika abzusetzen. Nebenbei versucht er aber noch, 500.000 Euro von Marex zu erpressen, um sich dieses Vorhaben finanzieren zu können. Als Druckmittel hält er den Beweis in den Händen, dass einer von Marex Handlangern den australischen Umweltaktivisten auf dem Gewissen hat. Es ist nie wieder die Rede davon, dass er die Umweltsünden auffliegen lassen will, es geht rein um den persönlichen Geldgewinn, den er erpressen kann, indem er Marex einen Mord beweist.

Doch ab dem Zeitpunkt wurde es unlogisch: Warum hat er das Geld nicht erpresst, bevor er „starb“? Erpressungsgelder tauchen normalerweise nicht in Steuererklärungen auf, deshalb hätte er sich das Geld schnappen und abhauen können. Stattdessen täuscht er erst seinen Tod vor und erpresst dann das Geld. Klar, dass auch die Firma Marex in Gestalt ihrer eiskalten Chefin dann schnell darauf kommt, dass er gar nicht tot ist und immer noch eine Gefahr darstellt. Schließlich schaffen sie und ihr Gehilfe es dann auch, ihn umzubringen, doch nicht ohne dass er es schafft, dass sein Beweismaterial noch an die Öffentlichkeit gelangt und er so Marex das Handwerk legen kann.

Am Ende wurde das Opfer also zweimal umgebracht, von unterschiedlichen Leuten, einer wird dafür ins Gefängnis gehen, eine wollte dafür ins Gefängnis gehen. Und die Chefin von Marex muss ihren Posten räumen. Trotzdem wird die Firma wohl genau so weiterarbeiten wie vorher. Schade eigentlich, aber wahrscheinlich sehr realistisch.

Insgesamt war es ein ganz informativer Tatort, die Fakten zum Raubbau unserer Meere waren gut recherchiert und laientauglich aufbereitet. Borowski war wie immer wortkarg, zeigte sich aber auch mal von seiner lustigen Seite, als er mit Kollegin Brandt für einige Stunden eingesperrt war und mit ihr alte Kinderlieder sang.

Ansonsten blieb der Krimi erstaunlich farblos, einfach weil ich die Konstruktion der Geschichte irgendwann nicht mehr ganz logisch fand. Aber vielleicht liegt das auch an mir.

Kiel ist und bleibt mein Lieblingstatort, aber heute fehlte mir so das letzte bisschen Spannung oder Raffinesse in der Handlung. Sehr schade, aber es kann ja wieder besser werden!

Titel: Borowksi und das Meer
Ort: Kiel
Tatort Nr.: 906
Erstausstrahlung: 30.03.2014
Ermittler: Borowski & Brandt
Hauptdarsteller: Axel MilbergSibel Kekilli

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