Tatort: Der Fall Reinhardt (Köln)

Tatort-Köln

Eine düstere Atmosphäre, eine Familie am Boden. So oder so ähnlich könnte man den heutigen Tatort aus Köln beschreiben.

Wir erinnern uns: Der letzte Fall der Kölner Kommissare Freddy Schenk und Max Ballauf endete dramatisch. Und zwar mit der Ermordung ihrer langjährigen Assistentin Franziska. Schauspielerin Tessa Middelstaedt schied so aus dem Ermittlerteam aus. Am Ende einer dramatischen Geiselnahme und eines Katz- und Maus- Spiels mit einem Psychopathen, kam es zum Showdown, der für sie mit dem Tod endete.

Doch dieser neue Fall ist vollkommen befreit von körperlicher Brutalität. Vielmehr scheint er eine Art psychologisches Lehrstück zu sein, über die Abgründe, die in jeder Familie lauern können.

Am Anfang stehen drei Kinderleichen in einem verbrannten Haus. Die Art des Feuers lässt darauf schließen, dass es sich um eine Serie von Brandstiftungen handelt, die seit einiger Zeit in Köln passiert. War es also ein Nebeneffekt der Brandstiftung, dass die Kinder dabei ums Leben kamen? Oder war es ein schrecklicher Unfall? Oder ein gezielter Anschlag? Die Mutter der drei Kinder, Karen Reinhardt überlebt nur leicht verletzt, aber völlig traumatisiert. „Mein Mann“ schreit sie immer wieder verzweifelt über den Rhein. Doch dieser ist verschwunden.

Nach der Obduktion wird klar: Die Kinder wurden vor dem Brand mit einem starken Schlafmittel betäubt, konnten sich also unmöglich aus dem Haus retten. Nun beginnt eine fieberhafte Suche nach dem Vater der Kinder, da nur dieser die entscheidenden Antworten geben kann. Doch Karen Reinhardt fehlen in ihrer Erinnerung zwei komplette Jahre. Jahre, in denen Schreckliches in der Familie passiert sein muss.

Ballauf und Schenk graben tief in den Abgründen der Familie Reinhardt. Ein Ehemann, der mit seinem eigenen Scheitern nicht umgehen kann, seinen Job verliert, seine Familie schließlich kläglich im Stich lässt, ein neues Leben beginnt.

Eine Mutter, die überfordert ist, nicht damit umgehen kann, dass das gutbürgerliche Familienidyll bröckelt, allen erzählt, dass ihr Mann in Dubai arbeite, damit es nicht auffällt, dass er nur noch selten nach Hause kommt.

Und drei Kinder, die völlig unschuldig Opfer dieser Familientragödie werden.

„Der Fall Reinhardt“ ist ohne große Gesten und Schnörkel inszeniert. Vielmehr zeigt er schonungslos die Realität dieser Familie. Ganz glaubwürdig erscheint es nicht immer, zum Beispiel wird nicht erklärt, wie Karen Reinhardt es zwei Jahre lang geschafft hat, ihre Familie durchzubringen, ohne Einkommen, mit einem Kredit auf das Haus und drei Kindern. Auch wird nicht ganz klar, wieso niemandem aufgefallen ist, dass Gerald Reinhardt sich abgesetzt hat. Aber trotz dieser Ungereimtheiten bleibt nach dem Film ein betroffenes Gefühl zurück und die Frage, ob das nicht vielleicht alles doch ganz realistisch ist.

Überragend ist auf jeden Fall die schauspielerische Leistung von Susanne Wolff, die die Rolle der Karen Reinhardt übernimmt. Uneitel und sehr emotional spielt sie die traumarisierte und psychisch kranke Frau, der man jede Gefühlsregung abnimmt.

Schade fand ich lediglich, dass Franziska mit keinem Wort mehr erwähnt wird. Es gibt zwar einen neuen Assistenten (den ich im Übrigen sehr cool finde!), aber es schien, als habe es Franziska nie gegeben. Man hätte vielleicht noch eine Minute gefunden, um auf die (für die Kommissare) jüngsten Ereignisse in der Abteilung einzugehen.

Abgesehen davon war das ein starker Tatort, der sich bewusst vom Actionhype abzuwenden scheint. Leise und düster wabert die Atmosphäre durch die Handlung und die Personen und selbst die Kommissare werden beinahe zu Nebendarstellern in der Geschichte. Ein Tatort, der in Erinnerung bleiben wird – Köln hat stark nachgelegt!

Titel: Der Fall Reinhardt
Ort: Köln
Tatort Nr.: 905
Erstausstrahlung: 23.03.2014
Ermittler: Ballauf und Schenk
Hauptdarsteller: Klaus J. Behrendt Dietmar Bär

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2 Gedanken zu “Tatort: Der Fall Reinhardt (Köln)

  1. Pingback: Tatort: Ohnmacht (Köln) | Fräulein Bücherwald

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