Tatort: Kopfgeld (Hamburg)

Tatort-Hamburg

Vorweg: Ich mag ja Til Schweiger als Schauspieler ja nicht besonders. Aber ich muss ihm zugestehen, dass er in der Vergangenheit gute Filme gemacht hat, zu denen zum Beispiel „Keinohrhasen“ zählt.

Allerdings kann ich ihm die Rolle als Actionheld nicht wirklich abkaufen. Er fühlt sich aber anscheinend wie einer und so reichte der erste Baller- Tatort nicht und es musste noch ein zweiter Fall her, in dem Til Schweiger sich als Kommissar Nick Tschiller mit den Drogenclans Hamburgs anlegen kann.

Dieser Fall offenbarte dann auch sehr schnell einige brisante Details: Nick Tschillers sehr freizügige Affäre mit der Staatsanwältin und eine riesige Ladung Crystal Meth, die der kurdische Astan- Clan, in dessen Fadenkreuz der Kommissar offenbar schon im letzten Fall geraten war, nach Hamburg bringen wollte.

Ich muss ehrlich gestehen: Ich habe den ebenso viel kritisierten wie viel gelobten ersten Schweiger- Krimi nicht gesehen. Genau genommen habe ich ihn schon angefangen zu sehen, habe ihn aber ausgeschaltet, als diese Frauenleiche in diesem blutverschmierten Raum gefunden wurde. In eurer Fantasie kann ich also nun an jeder beliebigen Stelle alle fünf Minuten ausgeschaltet haben.

Dadurch hatte ich auch ein bisschen Probleme, den heutigen Fall so wirklich zu durchblicken, da ja scheinbar schon einiges aus dem letzten bekannt war.

Nicht gerade einfacher wurde das durch den Kollegen von der Drogenfandung, Kromer, der Tschiller bei seiner Arbeit gegen die Clans unterstützen sollte, denn dieser entpuppte sich als Maulwurf, der alles dafür tat, lediglich den Anführer des türkischen Bürsum- Clans vor die Waffe zu bekommen. Auch wenn er damit dem Astan- Clan half. Oder so. Ich fand das alles etwas undurchsichtig.

Es kann aber auch daran liegen, dass ich ständig weggucken musste, aus Angst, dass jetzt wieder irgendwem das Gehirn aus dem Kopf geballert wird, dass ich den Fall nur halb verstanden habe.

Aber gut, immerhin hat das geflügelte Wort „Crystal Meth“ ein wenig an die Brillanz der US- Fernsehserie „Breaking Bad“ erinnert und so war Schweigers Größenwahn dann auch genügend gestreichelt.

Insgesamt kann man sagen, dass Kommissar Nick Tschiller ein durchgeknallter Cop ist, der sich so in die Idee verrannt hat, Hamburg „clean“ zu machen von den „Clan“ -Machenschaften einiger ausländischer Familien, dass er gerne so ziemlich jeden Handlanger einzeln umbringen würde. Und das meistens, ohne seine Kollegen über irgendwas zu informieren, was seinen Kollegen Yalcin Gümer zum Nebendarsteller degradiert und Schweiger die große Bühne lässt.

Trotzdem muss ich sagen: Hat nicht geklappt. Schauspieler Fahri Yardim ist einfach SO großartig und die Rolle des Kommissars Yalcin Gümer SO gut geschrieben, dass er Schweiger einfach die Show gestohlen hat. Ich bin total verknallt in den Typen mit den frechen Sprüchen, der auch mal was Unkorrektes tut und nichts unversucht lässt, um den Fall zu lösen und sich trotzdem noch im (zumindest ansatzweise vorstellbaren) Rechtssystem bewegt. Tschiller dagegen wäre im wahren Leben schon längst hinter Gittern gelandet.

Und dann meckern alle, dass Simone Thomalla ständig trotz persönlicher Betroffenheit ermittelt. Die Schweiger- Tatorte sind für mich die wirklich unrealistischen. Auch wenn ich die Clanmachenschaften gar nicht kleinreden möchte, die gibt es natürlich!

Und die gibt es auch gut aufgearbeitet mit realistischer Polizei- und Ermittlungsarbeit zum Beispiel im letzten Bremer Tatort „Brüder“. Aber nicht so. Es hat doch nie ein LKA- Team geschafft, so einfach einen Clan zu zerschlagen. Indem man einfach mal alle Leute umbringt – nee.

Ich kann gar nichts mehr dazu schreiben, ich fand den Tatort verwirrend und dadurch nur mäßig spannend, man hangelt sich so von Leiche zu Leiche (ingesamt 19 und damit die höchste Anzahl, die es jemals gab) und vermisst die Handlung.

Ich weiß nicht, ob ich den nächsten Schweiger- Tatort, sofern es denn einen gibt, sehen werde.

Tatort ist für mich spannende Krimiunterhaltung zum Ausklang der Woche, nach der man trotzdem danach im Bett die Augen schließen kann, ohne 19 Leichen und einen nuschelnden Kommissar zu sehen und die Handlung nicht verstanden zu haben. Aber Schweiger kann ja mal bei „Alarm für Cobra 11“ anfragen, die verfolgen das Konzept ja schon sehr lange sehr erfolgreich.

In diesem Sinne. Gute Nacht.

Titel: Kopfgeld
Ort: Hamburg
Tatort Nr.: 903
Erstausstrahlung: 09.03.2014
Ermittler: Nick Tschiller – Yalcin Gümer
Hauptdarsteller: Til SchweigerFahri Yardim

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