Tatort: Abgründe (Wien)

Tatort-Wien

Ich muss ja ehrlich gestehen, Wiener Tatorte sind nicht mein Ding. Dabei sind sie oft sehr gut, sehr politisch, sehr kritisch, sehr humorvoll, sehr direkt und die Kommissare sind auch gut.

Aber ich habe meine liebe Mühe und Not mit dem Verständnis dieser Krimis. Und das allein wegen der Sprache!

Auch heute wieder, im aktuellen Fall „Abgründe“ musste ich mich fast 15 Minuten einhören, bis ich Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) so wirklich folgen konnte. Vom Anfangsdialog habe ich nur Bruchstücke verstanden. Meine norddeutschen Ohren sind das einfach nicht gewohnt. Bei Kommissarin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) geht das mit dem Verständnis etwas besser.

Aber gut, wenn man die sprachlichen Abgründe dann mal außer Acht lässt, hat der ORF heute mit dem Tatort mal wieder einen wirklichen Volltreffer gelandet.

Bereits für ihre letzten Fälle war das Wiener Kommissaren- Team, bestehend aus Moritz Eisner und Bibi Fellner ja bereits in den Himmel gelobt worden und heute konnten sie würdig nachlegen.

In ihrem aktuellen Fall bekommen es die beiden kauzigen Kommissare mit dem Tod einer Kollegin zu tun. Schnell wird klar: Jemand von „ganz oben“ will die Ermittlungen verhindern, der Tod wird als Unfall deklariert und zu den Akten gelegt.

Doch Eisner & Fellner wissen: Das kann nicht sein.

Die Polizistin Franziska Kohl war vom Dienst suspendiert, nachdem sie Leiterin einer Sonderkommission gewesen war, von dem Fall aber nicht ablassen wollte. Auch nachdem er als abgeschlossen galt, hatte sie beharrlich weiterermittelt.

Damals ging es um einen Fall, der an Natascha Kampusch erinnert: Ein junges Mädchen wird fünf Jahre lang in einem Keller gefangen gehalten und missbraucht, erst dann kann es aus eigener Kraft fliehen. Später begeht der mutmaßliche Täter Selbstmord – der Fall scheint geklärt und beendet.

Doch es gibt berechtigte Zweifel an der „Lösung“ des Falls und so bohrte Franziska Kohl weiter nach. Und starb.

Eisner & Fellner ermitteln auf eigene Faust weiter in dem alten Fall und stoßen auf massiven Widerstand, der sogar so weit geht, dass jemand die Bremsen an Eisners Auto manipuliert, um ihn daran zu hindern, weiter nachzuforschen. Doch leider sitzt gar nicht der Kommissar später im Auto, sondern seine Tochter, die einen schweren Unfall verursacht. Doch trotz dieser emotionalen verzweifelten Situation lassen sich die Kommissare nicht verjagen und machen den obersten der Gesellschaft mächtig Probleme. Sie glauben nämlich, dass nicht nur der Tote der Täter war, sondern dass man es mit mehreren Tätern zu tun hat, die auf professionelle Weise Kinderpornografie vertreiben. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese auch aus den eigenen Reihen kommen…

Was den Fall so großartig macht, ist, dass er komplett ohne Action und/ oder übertrieben inszenierte Spannungsmomente auskommt. Alles ergibt sich in Dialogen und Handlungen. Ohne Schießereien (außer dem „Showdown“) und blutig- brutale Szenen.

Die Dialoge sind kernig, mit viel trockenem Humor ausgestattet, gut gespielt und absolut plausibel. Ebenso wie die Story übrigens. Man kann sich gut vorstellen, dass dieser Fall genau so passieren kann und wahrscheinlich schon hunderte Male passiert ist.

Nur, dass das Happy End, ohne dass auch dieser Tatort natürlich nicht auskommt, in der Realität wahrscheinlich nicht immer gegeben ist.

Die Schauspieler sind wie immer in den Wiener Tatorten großartig besetzt und das Ermittlerduo wirft sich die Sprüche nur so hin und her.

Mein Lieblingsdialog heute: „Ach Quatsch, das kann nicht weg sein. Wer klaut denn etwas bei der Polizei? – Na, die Polizei?“

Dazwischen kommen Lebensweisheiten, Privates, Emotionen wie nebenbei mit in den Fall, ohne dass sie künstlich eingestreut wirken, um den Kommissaren einen Hauch von Menschlichkeit zu geben. Im Wiener Tatort passiert das wie von selbst, man ist vom Anfang bis zum Ende dabei und fiebert mit. Und das, obwohl die Täter in diesem Fall recht schnell klar waren, nur die Verbindung fehlte noch.

Mein Fazit ist also überaus positiv. Das war ein sehr guter Fall, packend, spannend, nicht blutig, nicht brutal, sehr politisch und polizeikritisch, sehr gut besetzt und gespielt und erschreckend realitätsnah.

Ich hab nix zu meckern, ebenso wie letzte Woche – so kann es weitergehen!

Titel: Abgründe
Ort: Wien
Tatort Nr.: 902
Erstausstrahlung: 02.03.2014
Ermittler: Eisner & Fellner
Hauptdarsteller: Harald KrassnitzerAdele Neuhauser

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Ein Gedanke zu “Tatort: Abgründe (Wien)

  1. Klasse Tatort! da stört auch der kleine Anschlussfehler nicht (Krankenhausfluruhr zeigt an verschiedenen Tagen immer 13.02.2013!)

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