Tatort: Brüder (Bremen)

Tatort-Bremen

Aktuell versuchen ja nun fast alle Tatorte, aktuelle Themen aufzugreifen – so auch der heutige Bremer Tatort mit den Kommissaren Inga Lürsen (Sabine Postel) und Nils Stedefreund (Oliver Mommsen).

Sie bekommen es mit einer arabischen Gang zu tun, nachdem eine Polizistin im Dienst zusammengetreten und tödlich verletzt wurde. Der Gedanke zum Miri- Clan in Bremen liegt nah – schon lange scheint es, als habe die Bremer Polizei keinerlei Einfluss auf die Machenschaften dieser mafiösen Gang.

Und auch im Tatort- Fall wird gezeigt, wie die Polizei durch ein perfides Spiel aus Angst und Überlegenheit an der Nase herumgeführt wird.

Aber von vorne: Zwei junge Polizisten werden zu einem Einsatz geschickt: Ein Mann wird bedroht und hat einen Notruf abgesetzt. Doch am Einsatzort gerät die Situation außer Kontrolle, die Polizistin wird zusammengetreten, ihr Kollege kann fliehen. Später jedoch will er sich an nichts mehr erinnern, vor allem nicht daran, wer den Mord an seiner Kollegin verübt hat.

Doch schnell wird klar: Das gesamte Rechtssystem ist in diesem Fall in den Händen des Clans. Hier werden Informationen weitergegeben, da wird ein Zeuge unter Druck gesetzt.

Später stellt sich noch heraus, dass der Mann, der den Notruf abgesetzt hatte und kurz darauf getötet wurde, Kronzeuge in einem Prozess gegen den Kopf der Bande, Hassan Nidal, war.

Es war ein erschreckender Tatort. Erschreckend nicht nur wegen der Brutalität, die Teile des Films beherrscht hat, sondern erschreckend vor allem wegen der Realitätsnähe. Ohne näher mit den Hintergründen vertraut zu sein, kann man sich vorstellen, dass das alles ganz genau so ablaufen könnte.

Wenn man Angst um das eigene Leben hat, sagt man natürlich nicht aus. Da kann man noch so ein guter Polizist sein. Und wenn man Angst um das eigene Leben hat, dann rennt man auch weg und kann der Kollegin nicht helfen.

Nach den beiden letzten, etwas schwächeren Tatorten, hat Radio Bremen hier einen packenden Thriller serviert, der vor allem durch die schauspielerische Leistung brillierte.

Natürlich kann man hier keinen super packenden Politthriller erwarten, wir sprechen ja immer noch vom sonntäglichen Tatort, aber das Thema wurde auf den Punkt getroffen. Endlich wurde sich einmal nicht mit abgegriffenen Klischees beworfen, bis einer blutete und starb. In einem Satz von Inga Lürsen war alles Politische enthalten, was gesagt werden musste: „Eigentlich wäre ja die Abteilung für organisiertes Verbrechen hier am Zug. Aber da passiert ja nicht mehr viel, seit der Senator beschlossen hat, dass die Machenschaften der Nidals nur noch im Hintergrund ablaufen und den Bürger nicht mehr betreffen.“ (Nicht ganz der Wortlaut, aber der Sinn.) Genau das ist das Problem und zeigt, wie sehr solche Clans in der Lage sind, das Rechtssystem zu unterwandern.

Und wenn man durch bestimmte Stadtteile und Gebiete in Bremen fährt, kann einem ganz anders werden, wenn einem Bremer die Geschichten erzählen, die dort schon passiert sind.

Mutig, dass die Bremer so uneitel sind, dieses Problem in einem Tatort darzustellen und nicht nur plumpe Imagepflege betreiben wollen.

Das Fazit ist also (beinahe zum ersten Mal, seit ich hier auf dem Blog die Tatorte rezensiere) überaus positiv. Das war ein sehr guter Fall, sehr gut be- und umgesetzt und spannend von der ersten bis zur letzten Minute.

Titel: Brüder
Ort: Bremen
Tatort Nr.: 901
Erstausstrahlung: 23.02.2014
Ermittler: Lürsen & Stedefreund
Hauptdarsteller: Sabine Postel Oliver Mommsen

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Ein Gedanke zu “Tatort: Brüder (Bremen)

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