Tatort: Zirkuskind (Ludwigshafen)

Tatort-Ludwigshafen

Die berechtigten Fragen am Beginn dieser Tatort- Folge: Ein Tatort, der im Zirkus spielt? Die Kommissare sitzen in der Vorstellung, nach der jemand zu Tode kommt? Das gab es doch neulich erst?

Richtig! Am 8.12.2013 erst stolperte Kommissar Murot aus Wiesbaden auf exakt dieselbe Weise in einen Kriminalfall wie heute die beiden Ludwigshafener Kommissare Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe).

Die beiden Urgesteine des deutschen Tatorts schienen das Milieu aber nicht abgegriffen genug zu finden und so ging es eben zum Zirkus, nun gut.

Ein junger Artist wird in der Nacht nach einer erfolgreichen Vorstellung erschlagen in der Manege aufgefunden. Eifersucht? Beziehungsdrama? Schmuggel? Die Motive häufen sich schnell, die Verdächtigen stehen auch parat – nur der Zusammenhang fehlt irgendwie. Um die ganze Handlung schleicht dann noch ein gefährlich aussehender Tunesier mit perfekten Deutschkenntnissen, der eine zwielichtige Rolle zu spielen scheint, den die Kommissare aber im Gegensatz zu den anderen Beteiligten erst spät kennenlernen.

Also so richtig spannend war dieser Tatort nicht. Um 21 Uhr habe ich das erste Mal auf die Uhr geschaut und mit Erstaunen registriert, dass hier noch 45 Minuten rumgebracht werden müssen. Um 21:10 Uhr war ich erstaunt, dass erst 10 Minuten vergangen waren.

Dabei war die Handlung gar nicht mal uninteressant, es gab einige Wendungen, die man so nicht voraussehen konnte und an einigen Stellen nahm die Geschichte auch etwas an Fahrt auf. Dann entschleunigte die Handlung aber auch mal wieder, sodass ein gemischtes Gefühl zurückbleibt.

Ein politisches Reizthema, der Antiquitätenschmuggel, war zwar gegeben, aber so wirklich brisant wurde das Ganze nicht. Da waren eben ein paar junge Leute, die selber nicht genau wussten, was sie taten, als sie Antiquitäten von Tunesien nach Deutschland transportieren sollten.

Aber auch die Kriminalität des „kleinen Mannes“ wurde grundsätzlich gut in Szene gesetzt.

Doch auch mit etwas lahmer Story: Odenthal und Kopper sind und bleiben echte Charakterermittler, die schon so viel erlebt und durchgemacht haben. Sie leben gemeinsam in einer WG, teilen sich den Arbeitsplatz, das Auto und den Rotwein. Es macht einfach Spaß, den beiden zuzusehen und man kann nur hoffen, dass nicht auch noch bei diesem Ermittlerteam auf Innovation und Verjüngung gesetzt werden soll.
Das ist alte Tatort- Schule: Etwas (zu) private Observationsvorhaben, bei denen die Verdächtigen auf einmal „weg“ sind und bei denen man zufällig auch noch selber beobachtet wird.

Dazu Lena Odenthal mit ihrer trockenen nüchternen Art und Mario Kopper mit seinen schlagfertigen Einwürfen: Ich kann an der Dialoggestaltung des Drehbuchs was die beiden angeht nichts bemängeln.

Aber der Nachgeschmack bleibt: Die Story war einfach nicht würzig genug. Irgendwas fehlte, irgendein Spannungsmoment, der sich durch die Folge zieht.

So wurde die 900. Tatortfolge so gediegen gefeiert wie der Geburtstag der Kult- Sekretärin Keller: Mit pfälzischer Gemütlichkeit und nur einem ganz ganz kleinen Schlückchen Sekt. Man ist ja noch im Dienst.

Titel: Zirkuskind
Ort: Ludwigshafen
Tatort Nr.: 900
Erstausstrahlung: 16.02.2014
Ermittler: Odenthal & Kopper
Hauptdarsteller: Ulrike Folkerts – Andreas Hoppe

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