Tatort: Großer schwarzer Vogel (Berlin)

Tatort-BerlinKommissar Till Ritters letzter Fall. Schade eigentlich, denn das Berliner Ermittlerduo Ritter & Stark gehört zu den Alteingesessenen unter den Tatort- Kommissaren. Doch nach 35 Fällen ist nun Schluss für Schauspieler Dominic Raacke.

Nachdem der RBB bekannt gab, dass das Berliner Ermittlerteam abgesetzt werden soll, packte Raacke seine Koffer, drehte noch diesen einen Fall ab und überließ Kollege Boris Aljinovic den letzten Fall alleine, der noch mit den beiden geplant war.

Kommen wir zum aktuellen Tatort: „Großer schwarzer Vogel“ – was assoziiert man mit diesem Titel? Auf jeden Fall Unheil. Schatten der Vergangenheit vielleicht.

Und so kann man festhalten, dass der Titel wie der berühmte … Hintern …  auf den Eimer zu dem Fall passt.

Die Vergangenheit holt die Personen dieses Falles durch einen Unfall ein: Ein Unbekannter verschickt eine Briefbombe an den Radiomoderator Nico Lohmann, der sich nachts der Sorgen von Anrufern annimmt. Ein Domian im Tatort, sozusagen.

Doch die Briefbombe erfüllt nicht ihren Dienst und erschreckt Lohmann zu Tode, sondern einen kleinen Jungen, dessen Fußball versehentlich auf dem Umschlag aufprallt. Durch den Knall erschrocken fällt der Kleine eine Treppe herunter und stirbt später.

Seine Mutter sitzt vom Todeszeitpunkt an im Kommissariat vor der Tür der Kommissare Till Ritter und Felix Stark und verlangt Antworten.

Verdächtige gibt es viele und die Geschichte gestaltet sich zunehmend verworren. Zu viele alte Dramen, die da aufgerollt werden und dann doch ins Leere führen und gar keinen Zusammenhang mit dem Fall haben – aber der Radiomoderator und seine schwangere Freundin scheinen einige Feinde zu haben, die persönliche Dramen mit den beiden verbinden.

Zwischendurch schreien immer wieder Krähen am Himmel, vielleicht, um den Titel wieder ins Gedächtnis zu rufen. Überall scheinen sie zu sein. Vor allem an der Stelle, an der vor vier Jahren ein schlimmer Verkehrsunfall passierte, bei dem eine Frau und ihr Kind starben und an dem Lohmann möglicherweise Schuld war.

Die Auflösung habe ich ehrlich gesagt nicht ganz verstanden. Wer nun letztendlich die Bombe verschickt hat, oder wer wen „nur“ dazu angestiftet hat, wurde nicht ganz deutlich – aber vielleicht habe ich auch nur etwas nicht mitbekommen?!

Die Lösung erscheint so mittelmäßig plausibel, für meinen Geschmack war sie etwas zu konstruiert. Auch der Sinn der Briefbombe wird nicht wirklich klar. Immerhin kann man, wenn man einem Pärchen eine Briefbombe schickt, nicht sagen, wer von beiden den Umschlag öffnen wird. Aber vielleicht war das auch beabsichtigt. Hauptsache, jemand bekommt einen riesigen Schreck.

So war es eigentlich überhaupt kein klassischer Tatort, da es streng genommen keinen Mord, ja nicht mal einen Mordversuch gab. Sondern einen Rückblick in die Vergangenheit, den auch Kommissar Ritter wohl gut gebrauchen könnte.

Übrigens deutet nichts in dieser Folge auf seinen Ausstieg hin. Ob das noch erklärt wird? Oder war einfach keine Zeit mehr, das Drehbuch umzuschreiben, bevor die Folge gedreht wurde? Fragen über Fragen bleiben… Außerdem gibt es nichts in diesem Fall, was Ritter an seinem Beruf zweifeln lassen könnte. Außer, dass er müde ist. Und nachts Radiomoderatoren anruft, um ihnen von seinem Leid zu erzählen. Aber naja, für de Rente ist es auf jeden Fall noch zu früh.

Ein Fazit fällt mir tatsächlich relativ schwer. Ich fand den Fall interessant und auch ziemlich spannend. Man hatte zwischendurch seine Konstruktionen im Kopf, die aber auch mal umgeworfen wurden und dann doch wieder bestätigt wurden. Insgesamt war der Fall wohl relativ schnell klar, nur die Begründung und die Zusammenhänge fehlten. Und das war allgemein das Problem an diesem Tatort: Der fehlende Zusammenhang. Es wurde sehr viel verarbeitet. Nur der eigentliche Fall bekam erstaunlich wenig Raum. Auch die Kommissare wurden komplett in den Hintergrund gerückt. Das ist zwar eigentlich sehr gut und fast jedem anderen Ermittlerteam würde das gut tun! Aber so ist es eigentlich noch bedauerlicher, dass dieses Team nicht weiter besteht.

Obwohl: Keine Action, nur eine halbwegs aufregende Szene, als ein Schatten eine Frau bedroht, nur eine lautere Auseinandersetzung und ganz viel Herzschmerz und Emotion: Ist es das, was ein Tatort heute noch braucht?

Man darf gespannt sein, was für Typen sich der RBB für die nächsten Fälle ausdenkt.

Aber erstmal hat Felix Stark ja noch seinen Abgang. Vielleicht wird der ja spektakulärer. Und vielleicht ist die Emotion da ja mal an der richtigen Stelle: Auf dem Abschiedsschmerz.

Titel: Großer schwarzer Vogel
Ort: Berlin
Tatort Nr.: 899
Erstausstrahlung: 09.02.2014
Ermittler: Ritter & Stark
Hauptdarsteller: Dominic RaackeBoris Aljanovic

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