Tatort: Adams Alptraum (Saarbrücken)

Tatort-Saarbrücken

Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) samt Kollegin Lisa Marx (Elisabeth Brück) musste nach den letzten beiden Tatortfolgen, die mit den beiden im vergangenen Jahr ausgestrahlt wurden, ziemlich viel Häme einstecken. Zu gewollt, nicht lustig, nicht actionreich, zu seltsam.
Im Gegensatz dazu haben die Macher des saarländischen Tatorts diesmal mehr Ernsthaftigkeit, mehr Gesellschaftsrelevanz, klarere Figurenzeichnung angekündigt.

Der Fall begann zunächst durchaus actionreich: Ein Schwimmtrainer, offensichtlich sehr beliebt bei seinen Schülern (aber sehr unbeliebt bei seiner Tochter, die grundsätzlich einen Flunsch zieht, wenn sie ihn sieht), wird auf brutalste Art und Weise von einem Mob maskierter Männer zusammengeschlagen und fällt ins Koma.

Gleichzeitig sprayt jemand „Kinderficker“ auf sein Auto. Klare Sache, pädophiler Schwimmlehrer, davon will ja jeder schon mal etwas gehört haben.

Aber Kommissar Stellbrink meldet Bedenken an: Was, wenn jemand dem Schwimmlehrer nur etwas anhängen will?
Schnell stoßen die Kommissare auf einen Jungen, mit dem er in einem Chat, wie Stellbrinks Kollege Horst ausdrückt, „eindeutig zweideutige Gespräche“ geführt haben soll.

Doch der Junge ist verschwunden.

Der Fall hat sehr viel Potential. Die Story ist brisant, die Auflösung relativ verwirrend, aber schon originell. Hat man so auch noch nicht gehabt. Wie realistisch das Ganze ist, lasse ich nun mal dahingestellt, aber es könnte tatsächlich so passiert sein. Die Welt ist ja verrückt.

Und der Kommissar hat Wiedererkennungswert, soll irgendwie schrullig dargestellt werden. Nur nervt die Jogginghose irgendwann, mit der Striesow die ganze Zeit über den Bildschirm tänzelt. War einmal cool, ist auf Dauer ziemlich seltsam. Der Kommissar sieht immer aus, als wäre er nur mal eben auf einen Sprung im Präsidium. Dafür ist Devid Striesow aber einfach ein guter Schauspieler, der auch sein peinliches Kostüm lässig überspielt.

Lisa Marx (Elisabeth Brück) als Kollegin dagegen nervt schon von weitem. Ständig schreit sie rum, ständig probt sie einen Gesichtsausdruck: Zornig. Leider gelingt ihr der nur mittelmäßig.

Als Lara Croft- Verschnitt mit streng zurückgekämmtem Pferdeschwanz stapft sie durchs Bild und trägt nichts zur Lösung des Falles bei.

Allerdings lassen leider auch die anderen Schauspieler zu wünschen übrig. Normalerweise kann man ja immer den Kindern anhängen, dass sie einfach keine Schauspieler sind und ihre Leistungen deshalb nicht überzeugend wirken, aber in diesem Tatort waren tatsächlich die Kinder die besten. Alle Erwachsenen dagegen boten eine eher traurige Vorstellung, außer vielleicht Frau Müller (Silvia Bervingas), die bereits aus Stellbrinks erstem Fall bekannt ist, hier aber nur eine kurze Szenenrolle bekam.

Gegen Ende nahm der Fall dann nochmal richtig Action auf, Stellbrink stellt sich als lebender Köder für eine Schlägertruppe zur Verfügung und es kommt zum Showdown mit Knalleffekt. Leider wirkte diese Einlage etwas deplatziert und unnötig für die Lösung des Falles – das hätte man bestimmt auch anders hinbekommen können. Hier wollte der Autor und / oder Regisseur wohl noch ein bisschen Til Schweiger- Flair mit in seinen Tatort packen.

Coolste Requisite in den Saarbrücker Tatorts ist und bleibt aber übrigens Stellbrinks rotes Mofa. Leider stand in diesem Fall keine Verfolgungsjagd an, darüber würde ich mich mal freuen.

Insgesamt: Mittelmaß. Grundsätzlich ein guter Fall mit Potential, aus dem leider wenig herausgeholt wurde. Die Figuren blieben letzten Endes farblos, ein Spannungsmoment war kaum vorhanden. Sehr schade für das Saarbrücker Ermittlungsteam. Man kann nur hoffen, dass da endlich mal neue Regisseure und Autoren engagiert werden.

Titel: Adams Alptraum
Ort: Saarbrücken
Tatort Nr.: 897
Erstausstrahlung: 26.01.2014
Ermittler: Stellbrink & Marx
Hauptdarsteller: Devid StriesowElisabeth Brück

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