Kazantzakis, Nikos: Alexis Sorbas

alexis_sorbas-9783492232937_xxlWahrscheinlich wird dies die schwierigste Rezension, die ich bisher geschrieben habe und ehrlich gesagt, habe ich lange überlegt, ob ich sie überhaupt schreiben möchte.

Aber ich möchte, um mit euch, meinen lieben Lesern, über dieses Buch zu diskutieren.

„Alexis Sorbas“ (erstmals erschienen 1946) gehört sicherlich zu den bekanntesten Büchern überhaupt und ist vielleicht das bekannteste griechische Buch der Neuzeit. Alle, die mir davon erzählt haben, überschlugen sich gerade zu vor Begeisterung für die Einfachheit des Stils und die tiefe Lebensweisheit in diesem Buch.

Vor fünf Jahren habe ich mir dann „Alexis Sorbas“ das erste Mal aus der Stadtbibliothek ausgeliehen, um es zu lesen. Und habe nach 100 Seiten aufgehört. Seitdem habe ich es mir in schöner Regelmäßigkeit jedes Jahr wieder ausgeliehen, weil ich immer dachte, dass das nicht sein könnte, dass mir das Buch so wenig zusagt. Klar, vor 5 Jahren war ich gerade mal 16 und es kann ja sein, dass man eine gewisse Lebenserfahrung und Weisheit braucht, um einen Zugang zu dem Buch zu finden.

Zu Ende gelesen habe ich es in diesen 5 Jahren nie und auch dieses Mal lag es wieder bis zwei Tage vor dem Rückgabedatum bei mir herum und jetzt wollte ich es endlich lesen. Lesen und durchziehen bis zum Schluss. Und bin wieder daran gescheitert.

Dieses Buch gibt mir einfach nichts.

Dabei hört sich die Geschichte zusammengefasst super an: Der junge Schriftsteller Nikos Kazantzakis trifft auf den Lebemann Alexis Sorbas, einen Herumtreiber, Frauenaufreißer und den Inbegriff von Lebensfreude. Durch die Bekanntschaft mit ihm, löst sich Kazantzakis von seiner vergeistigen Welt und erlebt das Schöne und die Liebe im Leben.

So weit, so schön.

Aber: Der Großteil des Buches geht für philosophische Überlegungen Kazantzakis drauf. Das ist auch völlig legitim. Nur kann ich mit diesen Überlegungen überhaupt nichts anfangen.

Vor allem stört mich die Sichtweise, mit der Frauen in dem Roman betrachtet werden. Ich bin wirklich keine Feministin, aber das geht mir viel zu weit. Wir sprechen hier vom 20. Jahrhundert! Und einem hochgelobten Buch, das seinen Platz in der Weltliteratur sicher hat! Und dann werden da Frauen (ohne jegliche Ironie etc.) als willenlose Sexobjekte beschrieben, die den Männern jederzeit zur Verfügung stehen. Egal, ob sie hässlich sind oder geächtet, Sorbas will jede und Kazantzakis dann auch.

Zweitens kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, warum Kazantzakis als scheinbar ganz vernünftiger Mensch es zulässt, dass Sorbas sein gesamtes Geld verprasst. Er hatte ein kleines Bergwerk gemietet und Sorbas als eine Art „Vorarbeiter“ eingestellt. Auf einer dienstlichen Reise vergnügte er sich allerdings mit lauter leichten Mädchen und das Geld war weg und scheinbar hatte er auch vorher nichts in die Geschäfte investiert.

Aber Kazantzakis geht lieber in die Berge und sinniert über das Leben. Okay, kann er ja machen. Aber ich will das nicht lesen. An dieser Stelle habe ich aufgehört.

Ich kann mich zu 0% mit den beiden Hauptfiguren identifizieren. Ich weiß nicht, ob ich mich dafür schämen muss, dass ich es nicht kann. Vielleicht muss ich das, aber ich stehe dazu, dass ich dieses Buch einfach nur schrecklich finde. Schrecklich langweilig und inhaltlich fragwürdig. Und das, obwohl es autobiografisch ist. Aber vielleicht kenne ich mich auch einfach in den Verhältnissen zu der Zeit auf Kreta nicht gut genug aus und diese Verhaltensweisen waren damals normal – wer weiß. Nennt mich spießig und lebensfreudelos.

Trotzdem will ich hier noch einmal klarstellen, dass ich das Buch abgebrochen habe und diese Rezension sich somit nur auf die ersten 200 Seiten bezieht. Nun ja. Ich bin jetzt ein bisschen traurig und muss die Lücke schnell mit einem anderen Buch füllen.

1 von 5

Titel: Alexis Sorbas
Originaltitel: Vios ke politia tou Alexi Zorba
Autor: Nikos Kazantzakis
Übersetzer: Alexander Steinmetz
ISBN-13: 978-3492232937
Seitenzahl (Taschenbuch): 352 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch
Erscheinungsdatum der Ausgabe: 1. September 2001

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Ein Gedanke zu “Kazantzakis, Nikos: Alexis Sorbas

  1. DAS BUCH IST WIRKLICH QUÄLEREI!
    Ich habs auch gelesen. In etappen. Ich musste mich total zwingen mal weiter zu lesen. Ich fand es sooooooo langweilig. Schrecklich, hab es am Ende einfach auf dem Flohmarkt verkaufen wollen. Niemand wollte es haben. Jetzt liegt es im Schrank ganz weit hinten, wo ich es nicht sehen kann.
    Krass, dass du es gewagt hast, es ganz zu lesen. Respekt!

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