Tatort: Franziska (Köln)

Tatort-Köln„Franziska“ war der letzte Tatort mit Schauspielerin Tessa Middelstaedt und so was  von nicht jugendfrei, dass er erst nach 22 Uhr ausgestrahlt werden durfte.

Also sendete die ARD zuerst den Frankfurter Tatort „Der Eskimo“ und dann die Tagesthemen, um dann den 2. Tatort des Tages nachzuschieben.

Der Tatort war ziemlich groß angekündigt, nach den Previews in der Presse ziemlich hoch gelobt. Ich war also gespannt.

Franziska Lüttgenjohann, Assistentin der beiden Kölner Tatort- Ermittler Max Ballauf und Freddy Schenk, arbeitet nebenbei noch als Bewährungshelferin. Ehrenamtlich versteht sich. Als neuen „Fall“ bekommt sie einen Vergewaltiger und Frauenmörder zugewiesen, dem sie ins Leben zurückhelfen soll. Soweit der mehr als unrealistische Plot. Dann wird sie auch noch mit dem betreffenden Herren zusammen in einem Zimmer alleingelassen, da der wachhabende Beamte „mal kurz gucken geht, was das für ein Alarm ist, der draußen ausgelöst wurde“.

Der Psychopath Daniel Kehl (übrigens grandios gespielt von Hinnerk Schönemann) bringt sie in seine Gewalt und zieht ihr eine Kabelbinder- Schlinge um den Hals.

Alle sind natürlich in heller Aufregung, können Franziska aber vorerst nicht retten, da Kehl die Jalousien heruntergelassen und die Kamera verhängt hat.

Jonas von SEK soll die Elektronik der Jalousien in den Griff kriegen und sie wieder hochfahren lassen, lässt sich damit aber 80 Minuten Zeit.

Was nun beginnt, soll wohl eigentlich ein Psychothriller der Extraklasse sein. Franziska wendet alle gängigen Psychotricks an, um Kehl zur Aufgabe zur bewegen: Einschmeicheln, ungeschönte Wahrheit sagen, moralisch werden, provozieren, über die verkorkste Kindheit sprechen etc.

Aber Kehl gibt nicht auf. Er befürchtet, dass ihm ein Mord angehängt werden soll, der seine vorzeitige Entlassung gefährdet. Und zunächst erscheint es wirklich so, als sei er Opfer einer Intrige und würde lediglich einer Kurzschlussreaktion folgen.

Ballauf und Schenk müssen also den wahren Mörder finden, um zu beweisen, dass Kehl unschuldig ist und ihm den Druck einer erneuten Verurteilung zu nehmen.

Doch irgendwann kommen sie auf das, was dem Zuschauer eigentlich schon länger hätte klar sein müssen: Kehl hat das alles geplant. Er ist der Mörder und er wird auch Franziska töten.

Der Tatort war nicht schlecht. Es ist nur immer eine Gefahr, eine Folge so großspurig anzukündigen. Denn dem wurde sie meiner Meinung nach nicht gerecht. Ja, es war spannend. Der neue humoristische Aspekt wurde mal wieder gegen alte Tatortschule eingetauscht. Auch das war gut. Der Kölner Tatort blieb seiner Linie treu.

Aber: Ein spannendes, brutales Ende, bei dem alle Frauen (auch ich) weggucken müssen, weil sie es nicht mit ansehen können, macht noch keinen spannenden Plot. Die Gespräche zwischen Kehl und Franziska wirkten nicht nach, sie hinterließen keinen Eindruck, es waren keine Psychospielchen par excellence, wie man sie aus vergleichbaren amerikanischen Filmen kennt. Klar darf man die Messlatte hier nicht zu hoch legen, immerhin reden wir über einen Tatort, keine Hollywoodproduktion. Aber dann sollte man auch nicht so tun, als sei man eine.

Ich mochte Tessa Middelstaedt als Schauspielerin eigentlich immer sehr gerne, heute hat sie mich nicht überzeugt. Zu holprig wirkten die Versuche, den Psychopathen zu provozieren. Sowas traut sich eine Frau nicht, die so guckt. Meiner Meinung nach.

Sehr gut dagegen fand ich Hinnerk Schönemann, wobei ich ursprünglich eigentlich dachte, ihm die Rolle weniger abkaufen zu können – zu viele Assoziationen mit seichten Produktionen oder als Kommissar in „Marie Brand“. Aber er bewies wirklich viel Talent, ich hätte ihm alles abgekauft. Jede noch so verrückte Auflösung hätte dieser Irre sich ausdenken können.

Alles in allem: guter Tatort. Die Brillanz fehlte. Dazu hätten zwischen Middelstaedt und Schönemann mehr die Funken fliegen müssen.

Aber es war ein mehr als würdiger Abgang für Assistentin Lüttgenjohann. Man wird sich an diesen Tatort erinnern können.

Noch ein Wort zu der Altersbeschränkung: Grundsätzlich sehr zu befürworten! Ich habe aber schon sehr viel brutalere Tatorte gesehen… Die hätten mal um 22 Uhr laufen sollen. Man erinnere sich da zum Beispiel an die Tatorte, in denen es um Menschenhandel etc. geht.

Titel: Franziska
Ort: Köln
Tatort Nr.: 895
Erstausstrahlung: 05.01.2014
Ermittler: Ballauf und Schenk
Hauptdarsteller: Klaus BehrendtDietmar Bär

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3 Gedanken zu “Tatort: Franziska (Köln)

  1. Ich hab gar nicht mitbekommen, wie der Tatort so hochgelobt wurde, ich hab nur gehört, dass das Ende sehr spektkulär wäre und dass er eben ziemlich schlimm ist und deshalb erst um 22 Uhr läuft, deshalb hatte ich auch keine wirklichen Erwartungen, bis auf das Ende, wobei da meine Erwartung erfüllt wurde.
    Ich kenne nicht soooo unglaublich viele Tatorte, deshalb war das hier schon der Schlimmste, den ich bisher gesehen habe, obwohl ich ja sagen muss: Es gibt viele Filme/Serien, die genauso wenig jugendfrei sind und trotzdem auch schon um 20:15 ausgestrahlt werden, nur eben auf anderen Programmen…
    Außerdem bin ich selbst auch noch keine 16 und hab den Tatort trotzdem sehen können ^^

    Ich find es übrigens toll, dass du Tatorte rezensierst 🙂 les ich mir gerne mal durch 😉

    Liebe Grüße
    Chrisi

  2. Tatort-Rezensionen! Sehr gut, das gefällt mir!
    Ich kann auch voll und ganz zustimmen, mir ging es nämlich auch so, dass mir manchmal die richtige Stimmung in den Szenen zwischen Franziska und Kehl gefehlt hat. Aber alles zusammengenommen fand ich es einen guten Tatort! Warum Ballauf allerdings dauernd ins Klo greifen musste….bäh, widerlich!!!

  3. Pingback: Tatort: Der Fall Reinhardt (Köln) | Fräulein Bücherwald

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