Herbst, Christoph Maria: Das total gefälschte Geheim-Tagebuch vom Mann von Frau Merkel

Tagebuch

Was für ein sperriger Titel. Selbst jetzt, nachdem ich das Hörbuch schon fertig gehört habe, kann ich mir immer noch nicht den Titel merken. Vielleicht liegt das auch an mir – naja, kann sein.

Aber zum total gefälschten Geheim- Tagebuch: ich war sehr begeistert. Sehr. Irgendwann dann nicht mehr. Und am Ende dachte ich mir nur noch: „Was für ein Kram.“

Dieses (Hör-)buch ist das perfekte Beispiel dafür, dass man nicht alle Grütze, die einem durchs Hirn wabert, auch in einem Buch verarbeiten sollte. Gefiltert wäre diese Grütze wirklich typisch Christoph Maria Herbst- brillant. Aber es gibt einen Punkt in dem Buch, den Eintrag vom 31.12.2012, da hätte man einfach abbrechen müssen. Alles, was danach kommt, ist nur noch zu viel, zu laut, zu dämlich.

Die Geschichte erklärt sich ja eigentlich schon aus dem Titel. Der allerseits mit Nichtachtung gestrafte Joachim Sauer, Angela Merkels Mann, kommt zu Wort. Und zwar anhand seines Tagebuchs, das er am 1. Januar 2012 beginnt. Der Anfang ist einfach herrlich, ich möchte hier gar nicht zu viel verraten, aber die Szene, in der er beschreibt, wie Angela („Mutti“) und er einen Ikea- Schrank aufbauen wollen und daran gnadenlos scheitern, ist einfach genial. Auch, dass am Abend dann „die Von der Leyen“ vorbeikommt und den Schrank alleine aufbaut. Ohne Werkzeug. Mit ihrer bloßen Willenskraft.

Auch genial sind die vielen kleinen politischen Spitzen, die „Jo“ austeilt. Egal, ob Angela in seinem Tagebuch Pofalla zum dahinscheidenden Bundespräsidenten Wulff schickt, um mal ein Gespräch „von Loser zu Loser“ zu führen, oder sie im Vollsuff Rösler erlaubt „mal eine halbe Stunde mitzuregieren“, ich habe wirklich herzhaft gelacht.

Joachim Sauer wird als liebenswerter, leicht naiver Ehemann dargestellt, der seine Angela wirklich über alles liebt, aber von diesem ganzen Politik- Quatsch nicht wirklich viel versteht. Muss er aber auch nicht, denn er sammelt sich einfach die coolsten Sprüche von Angela zusammen und schreibt diese in seinem Buch nieder.

Fazit also: das Buch ist wirklich genial und Christoph Maria Herbst hat das Ding nicht nur selber geschrieben, sondern leiht im Hörbuch Joachim auch auf gewohnt großartige Weise seine Stimme.

Aber: dann kommt dieser Eintrag vom 31.12.2012, der das ganze Buch so wunderbar abgerundet und es so wunderbar harmlos gelassen hätte, wie es die ganze Zeit über ist.

Leider bricht das Buch an der Stelle nicht ab. Es geht noch ein paar Monate weiter und diese Monate sind einfach nur übertrieben, unwitzig und beinhalten einige logische Fehler.

Ein Beispiel: relativ am Anfang des Buches feiern Joachim und Angela ihren Jahrestag. Dabei erwähnt Joachim, dass sowohl in ihrem als auch in seinem Wikipedia- Eintrag ein falscher Jahrestag steht und nur sie das richtige Datum kennen. So weit, so gut.

In einem dieser fatalen Einträge nach dem 31.12.2012 „entdeckt“ Joachim auf wundersame Weise dieses „Wikipedia“, das jetzt alle benutzen. Warum, frage ich mich da? Das fällt doch auf, dass es vorher schon erwähnt wurde und er es da offensichtlich kannte.

Außerdem schwenkt diese liebenswürdige Dusseligkeit, die ihm am Anfang des Buches zugeschrieben wird, im letzten Teil einfach nur in abgrundtiefe Dummheit und Naivität um, die einfach nicht mehr putzig ist, sondern ihn zur wirklich nervigen Hauptfigur werden lässt. Naja, Herr Herbst wird sich sicher etwas dabei gedacht haben. Ich bin von diesem letzten Teil enttäuscht und das schmälert leider auch meine Begeisterung für den ersten.

Was man aber noch sagen muss: es handelt sich hier um wirkliche Politik- Satire. Die zahlreichen Spitzen und Sticheleien gegen die Mitglieder der Merkel- Regierung sind teilweise sehr intelligent und keinesfalls auf einem tiefen Niveau! Das sei hier noch positiv angemerkt.

3 von 5

Titel: Das total gefälschte Geheim-Tagebuch vom Mann von Frau Merkel
Autor: Christoph Maria Herbst
Sprecher: Christoph Maria Herbst
ISBN-13: 978-3839812242
Länge: 201 Minuten
Verlag: Argon Verlag
Erscheinungsdatum der Ausgabe: 01. März 2013

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