Thomas, Charlotte: Der König der Komödianten

Charlotte ThomasHistorische Romane sind ja sowieso schon toll und spannend. Allerdings bin ich immer recht anspruchsvoll, was die Plausibilität des Geschehens betrifft. Nichts finde ich schlimmer als Autoren, die zu Gunsten ihrer Geschichte Jahre kürzen oder strecken, damit ihre Geschichte irgendwie ins Zeitgeschehen passt. Mal ganz ehrlich – dann brauche ich auch keinen historischen Roman schreiben, dann schreibe ich doch lieber Fantasy!

Aufgrund der super guten Rezensionen zu genau diesem Thema, nämlich der geschichtlichen Korrektheit, habe ich mir „Der König der Komödianten“ von Charlotte Thomas gekauft und muss sagen – dieses Buch hat mich nicht enttäuscht!

Der junge Marco Ziani zieht aus, um die Welt zu entdecken – allerdings nicht ganz freiwillig, sondern unter einer ernsthaften Bedrohung von Leib und Leben!

Nach dem Tod seines Onkels, bei dem er aufgewachsen ist, sind auf einmal ganz verschiedene seltsame Leute hinter seinem angeblichen Erbe her, von dem er bisher aber noch gar nichts wusste. Auf seiner Flucht vor den Unbekannten gerät Marco in eine Schauspielertruppe, die ihn bei sich aufnimmt. Unter den illustren Gestalten fühlt sich Marco schnell geborgen und entdeckt seine wahre Berufung im Leben, nämlich das Schreiben. Und das im Venedig des 16. Jahrhunderts, mit seinem wahrhaft dunklen Geschehen von der schillernden Kulisse der Reichen und Schönen.

Allerdings werden noch Monate vergehen, bis er sein erstes Theaterstück endlich fertig hat, denn verschiedenste Menschen und Gegebenheiten machen ihm das Leben schwer: Eine unglaublich schöne Frau, eine unglaublich begehrenswerte Frau, ein totgeglaubter Zwillingsbruder, ein seltsamer Mäzen, ein undurchschaubarer Mönch, ein geheimnisvoller Patrizier… es gibt kaum eine Figur, die man sich in der mittelalterlichen Szenerie ausdenken könnte, die nicht in dieser Geschichte vorkommt. Aber alle wirken so menschlich und so real, dass man mit ihnen mitleidet und sich mitfreut und dass man kaum warten kann, bis man das nächste Mal in dem Buch weiterlesen kann.

Man muss allerdings anmerken, dass die Handlungsstränge hoch komplex sind. Erst am Ende laufen sie alle zusammen und so sollte man sich gleich hinter die Ohren schreiben: wenn ich dieses Buch lese, muss ich auch alles lesen, auch wenn mir manche Szenen oder Handlungsverläufe unwichtig erscheinen! Fast nichts ist unwichtig und „Der König der Komödianten“ ist deshalb auch kein Buch, was man mal eben schnell im Bus aufschlagen kann, um zehn Seiten zu lesen, sondern man muss sich etwas Zeit nehmen und möglichst lange Stücke lesen, um alle Zusammenhänge zu verstehen. Da dass bei knapp 700 Seiten im Taschenbuchverlag nicht ganz einfach ist, habe ich auch etwas länger gebraucht, um das Buch zu lesen, aber das hat dem Ganzen auch keinen Abbruch getan.

Was man auf jeden Fall sagen kann, ist, dass sich die Autorin unglaublich viel Mühe in der Planung ihrer Geschichte gegeben hat. Ich konnte nichts Unlogisches entdecken und es gibt auch keine Handlungsverläufe, die nicht aufgeklärt oder zu Ende gebracht werden.

In der Mitte hat das Buch einige Längen und man versteht erst am Ende, dass das alles doch wichtig war und ärgert sich dann darüber, dass man sich in der Mitte über die Längen geärgert hat.

Marcos Bühnenstück und sein Leben passen wie perfekte Zahnräder ineinander und beleben gegenseitig die Handlungsstränge – kurz gesagt: handwerklich ist das einer der besten historischen Romane, die ich je gelesen habe!

Und eine Liebesgeschichte um Marco und Elena ist auch so anrührend und so niedlich und so aus dem Leben gegriffen. Hach. Schade, dass das Buch schon vorbei ist. Von mir aus hätte es auch noch 100 Seiten länger sein können.

Und Charlotte Thomas landet nun mit all ihrer Bücher auf meiner Wunschliste – GRANDIOS!

5 von 5

Titel: Der König der Komödianten
Autor: Charlotte Thomas
ISBN-13: 978-3431038071
Seitenzahl (gebundene Ausgabe): 704 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe (Lübbe Ehrenwirth)
Erscheinungsdatum: 25. März 2010

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2 Gedanken zu “Thomas, Charlotte: Der König der Komödianten

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